Willkommen im Gästebuch

Ihr Moderator ist Bertram Köhler




Seite zurück |Zurück zur Homepage| Nächste Seite


 Einträge: 24 | Aktuell: 15 - 11Neuer Eintrag
 
15


Name:
Peter Mersch (peter@mersch.com)
Datum:Fr 11 Nov 2011 15:45:16 CET
Betreff:Dissipative Strukturen und Leben Nr. 2
 

Sie schreiben: "Selbstreproduktive, lebende Systeme erhöhen ihre Komplexität und vermindern damit ihre Entropie auch nur dadurch, dass sie aktiv Entropie in die Umwelt exportieren. Es ist im Prinzip der gleiche Prozess wie bei dissipativen Systemen, lediglich aktiv verstärkt durch das Reproduktionsinteresse, das notwendigerweise entstehen muss, weil dissipative Systeme sonst irgendwann zerfallen würden. Das erste Lebewesen entstand aus einem physikalischen, dissipativen System nur dadurch, dass ein Reproduktionsinteresse vorhanden war. Auf dieser niederen Stufe bestand das erste "Reproduktionsinteresse" lediglich aus einem autokatalytischen chemischen Potential. Wie sonst konnte das erste Lebewesen entstehen, wenn nicht aus einem dissipativen System? Selbstverständlich ist ein lebendes System kein dissipatives System mehr, solange es lebt. Aber dissipative Systeme sind die unmittelbare Vorstufe lebender Systeme. Ein Prozess der Selbstorganisation führt zur Entstehung des Lebens. Alle anderen Erklärungen benötigen einen außerhalb des Universums wirksamen Gott."

Das ist richtig, das entspricht auch exakt meinen Vorstellungen. Das erstmalige Entstehen eines selbstreproduktiven Systems muss über den Mechanismus der Selbstorganisation erklärt werden. Dies macht zugleich deutlich, dass es sich dabei um ein in höchstem Maße unwahrscheinliches Ereignis handelte.

Allerdings verwenden Sie und ich zwar beide den Begriff "Selbstreproduktion", allerdings in einem unterschiedlichen Sinne. In http://www.bertramkoehler.de/Start.htm schreiben Sie: "Wichtigste Eigenschaft eines zur Evolution geeigneten Systems ist seine Fähigkeit zur Selbstreproduktion. Ohne diese Eigenschaft ist die weitere Entwicklung eines Systems nicht möglich, es entsteht allenfalls durch Selbstorganisation ein stabiles System mit emergenten Eigenschaften, das sich nicht weiter verändert. Die Fähigkeit zur Selbstreproduktion ermöglicht die Herstellung einer Kopie und damit die Vervielfältigung des Systems." Damit ist man zu stark an den Replikatoren dran, was in der Folge dazu führt, die nicht nachweisbaren Meme (die meiner Meinung nach in unserem Universum auch nicht existieren können) als Basis der soziokulturellen Evolution vorzuschlagen.

Selbstreproduktion bedeutet für die Systemische Evolutionstheorie "Reproduktion der Kompetenzen" inkl. einem dafür erforderlichen Reproduktionsinteresse (einem Streben, dies zu tun). Kompetenzen muss man aber nicht vervielfältigen. Beispielsweise würde ein Unternehmen nur versuchen, seine Marktkompetenzen zu verbessern (und z. B. in die Produktentwicklung investieren), nicht jedoch sich selbst zu vervielfältigen. Zur Erlangung der dafür erforderlichen Ressourcen schickt es auch keine Lebewesen in seine Umwelt (die Märkte) hinaus, wie es noch die Honigbienen tun, sondern z. B. nur kleine Geräte, wie etwa Mobiltelefone. Beim Tausch Ware gegen Geld wird dann die erforderliche Energie erlangt, um die eigenen Kompetenzen weiterhin reproduzieren zu können. Das ist wesentlich effizienter als dies noch die Honigbienen tun.

Mich stört ohnehin ein wenig die fehlende systemtheoretische Sicht, weswegen man dann auf wenig sinnvolle Konzepte wie die Memetik zurückgreifen muss. Für die Systemische Evolutionstheorie sind Unternehmen Superorganismen, genauso wie es die Insektensozialstaaten für die Biologen sind. Bienenforscher Tautz macht z. B. deutlich, dass ein Bienenstock ein Warmblüter ist, während die einzelnen Bienen Kaltblüter sind. Gleichzeitig spricht er bei ihnen von "potenzieller Unsterblichkeit" - sie müssen sich also nicht vervielfältigen. Das eigentliche Lebewesen ist in dem Sinne nicht die Biene, sondern der Superorganismus Bien, d.h. der Bienenstock. Genauso verhält es sich mit den Unternehmen. Rein physikalisch betrachtet würde ein Unternehmen wie die Deutsche Bank schon bald wieder zerfallen. Es kann nur länger Bestand haben (das älteste Unternehmen ist mehr als 1000 Jahre alt), wenn es ein selbstreproduktives System ist, d.h., wenn es ständig bestrebt ist, die eigenen Kompetenzen zu reproduzieren. Die Deutsche Bank ist deshalb gewissermaßen ein lebendes System, welches sich aufgrund des energetischen Zerfalls in unserem Universum auf eine bestimmte Weise verhalten muss (!). Selbstreproduktivität bedeutet in diesem Zusammenhang aber explizit nicht, dass die Bank sich vervielfältigt. Es bedeutet, dass sie aktiv versucht, ihre Lebensraumkompetenzen zu bewahren. Die Bank muss streben, weil unser Universum selbst "strebt". Selbstreproduktive Systeme verhalten sich nachhaltig gegenüber ihren Kompetenzen und ausbeutend gegenüber ihrer Umwelt.

Rudi Zimmerman vermutet auf seiner Website, dass die lebenden Systeme auf Dauer immer mehr Wissen anreichern werden. Auf Dauer käme es zu einer Zweiteilung des Universums, auf der einen Seite die den Wärmetod gestorbene Energie, auf der anderen Seite das Geistige. Das halte ich für einen Fehlschluss. Kompetenzen benötigen eine physikalische Basis. Damit sind auch sie dem Zerfall ausgesetzt. Sie müssen deshalb unter ständiger Energiezufuhr reproduziert werden, sonst gehen sie verloren. Wenn es diese Energie in einem den Wärmetod gestorbenen Universum jedoch nicht mehr gibt, kann es auch kein Wissen mehr geben. Das Leben kann dem Streben des Universums nach Zerfall nur für eine Zeit lang und unter günstigen Rahmenbedingungen entrinnen. Es führt einen Kampf, den es auf Dauer nicht gewinnen kann. Es ist eine temporäre Erscheinung in unserem Universum.

In http://www.bertramkoehler.de/kommentar.htm schreiben Sie zur Systemischen Evolutionstheorie: "Da in beiden Theorien das gleiche Grundanliegen und selbstreproduktive Systeme als Evolutionsakteure betrachtet werden, sind ihre Schlussfolgerungen außerordentlich ähnlich, wobei bedingt durch den unterschiedlichen Ausgangspunkt die Differenzen zum Darwinismus in der systemischen Evolutionstheorie klarer herausgestellt werden, während in der Theorie der Selbstorganisation und Evolution der Anschluss an selbstorganisatorische Prozesse in der unbelebten Materie und damit die Entstehung des Lebens überhaupt besser aufgehellt werden können. Es sollte angestrebt werden, beide Gesichtspunkte zu einer einheitlichen Theorie zu vereinigen."

Ich denke, dass mir diese Vereinheitlichung in meinem neuen Buch (Vorwort: http://knol.google.com/k/peter-mersch/vorwort-ich-beginne-zu-glauben-dass-es/6u2bxygsjec7/152) gelungen ist. Bis unmittelbar vor dem Aufkommen des Lebens regierte die Selbstorganisation. Hierdurch kann es aber nur zu begrenzt komplexen Systemen kommen. Erst die Selbstreproduktivität erlaubte es, die Komplexitätshürde zu überwinden und immer höhere Komplexitäten und in der Folge auch Kompetenzen entstehen zu lassen. Dieser Zusammenhang ergibt sich eigentlich unmittelbar aus Überlegungen, wie sie auch Stephen Hawking in seinem Buch "Die illustrierte kurze Geschichte der Zeit" anstellt. Leben hat sehr viel mit den Zeitpfeilen bzw. dem Streben unseres Universums zu tun, wie auch Hawking anmerkt.

 
 
14


Name:
Peter Mersch (peter@mersch.com)
Datum:Mi 09 Nov 2011 01:10:43 CET
Betreff:Dissipative Strukturen und Leben
 

Auf verschiedenen Seiten wird behauptet, dass das Leben etwas mit dissipativen Strukturen zu tun habe. Das halte ich für nicht zutreffend. In dissipativen Strukturen nimmt die Entropie lokal ab, und zwar durch Austausch mit der Umgebung. Der Vorgang ist ein rein physikalischer. Lebende Systeme sind hingegen informationsverarbeitende Systeme. Sie halten ihre Entropie niedrig aufgrund ihrer Reproduktionsinteressen.

Durch Selbstorganisation können in unserem Universum keine wirklich komplexen Systeme entstehen. Sie würden schon bald wieder zerfallen. Alle bekannten dissipativen Strukturen sind im Vergleich zu Lebewesen bestenfalls ein wenig komplex. Wirklich komplexe Systeme sind nur die selbstreproduktiven Systeme, die ihre Komplexität durch Evolution tradiert und aufgebaut haben. Physikalisch können sie in unserem Universum nicht entstehen.

Viele Grüße
Peter Mersch

Antwort:
Selbstreproduktive, lebende Systeme erhöhen ihre Komplexität und vermindern damit ihre Entropie auch nur dadurch, dass sie aktiv Entropie in die Umwelt exportieren. Es ist im Prinzip der gleiche Prozess wie bei dissipativen Systemen, lediglich aktiv verstärkt durch das Reproduktionsinteresse, das notwendigerweise entstehen muss, weil dissipative Systeme sonst irgendwann zerfallen würden. Das erste Lebewesen entstand aus einem physikalischen, dissipativen System nur dadurch, dass ein Reproduktionsinteresse vorhanden war. Auf dieser niederen Stufe bestand das erste "Reproduktionsinteresse" lediglich aus einem autokatalytischen chemischen Potential. Wie sonst konnte das erste Lebewesen entstehen, wenn nicht aus einem dissipativen System? Selbstverständlich ist ein lebendes System kein dissipatives System mehr, solange es lebt. Aber dissipative Systeme sind die unmittelbare Vorstufe lebender Systeme. Ein Prozess der Selbstorganisation führt zur Entstehung des Lebens. Alle anderen Erklärungen benötigen einen außerhalb des Universums wirksamen Gott.
Bertram Köhler

 
 
13


Name:
Rüdiger Kalupner (ruedigerkalupner@web.de)
Datum:Mo 07 Nov 2011 18:11:50 CET
Betreff:erneutes Kompliment für Ihrem evolutionstheoretischen Erkenntnisstand
 

Sehr geehrter Herr Dr. Köhler,
heute bin ich wieder auf Ihre Texte gestoßen und bin wieder begeistert über Ihren Erkenntnisstand. Das wollte ich ganz öffentlich sagen.

Haben Sie schon mitbekommen, dass Angela Merkel sich nach meiner Analyse zur Evolutionsprozess- und Chaosphysikerin entwickelt hat. Auf meiner Webseite www.die-kreativen-partei.de/Angela-Merkel-Verstehen.php. können Sie meine Sicht auf Angelas Erkenntnisstand nachlesen.

Ich bin der Meinung, dass wir ohne eine hinreichende Evolutionsprozesstheorie keine Chance haben, die Systemkrise des weltindustriellen Fortschrittssystems gesteuert zu beenden. Ohne eine kybernetische Evolutionsprozess-Theorie landen wir logischerweise im Absturzszenario. Auf uns Evolutionprozesstheoretiker kommt es wirklich entscheidend an.

Aber wir werden es schaffen, den Diskurs über die EU-Schulden- und Systemkrise mit unserem Evolutionsprojektwissen zu bereichern.

Grüße,
Ihr Rüdiger Kalupner


 
 
12


Name:
Johannah (mesohori@acn.gr)
Datum:Mi 06 Jul 2011 15:31:17 CEST
Betreff:tUhTnByRzF
 

It's much easier to undersntad when you put it that way!

Reply: I cannot understand, what you want to say with this.
Bertram Köhler

 
 
11


Name:
Bertram Köhler (evolution@bertramkoehler.de)
Datum:So 22 Aug 2010 22:38:17 CEST
Betreff:Öffnung des Gästebuches
 

Bei erneuter zweckentfremdeter Nutzung sehe ich mich veranlaßt, die Einträge wieder zu sperren

 
 


Seite zurück |Zurück zur Homepage| Nächste Seite