Produktion, Wert, Preis, Profit

Eine gebrauchswerttheoretische Betrachtungsweise der Preis- und Profitbildung

von Alfred Granowski

 

  1. Der Produktionsprozess

Ausgehend von der schon von Marx getroffenen Feststellung, dass sich die Aktivitäten des Menschen von denen der Tiere wesentlich dadurch unterscheiden, dass das Ergebnis der Tätigkeit des Menschen beim Beginn des Arbeitsprozesses schon in der Vorstellung des Arbeiters ideell vorhanden war, analysiert Granowski eine Reihe von Marx - Zitaten zu dieser Problematik und erkennt Widersprüche, welche die Marxsche Arbeits- und Mehrwerttheorie letztendlich widerlegen und zu falschen Schlußfolgerungen führen. Deshalb präzisiert er einige marxistische Begriffe und definiert den Produktionsprozess wie folgt:

"Das Wesen der materiellen Produktion besteht in der Vergegenständlichung bzw. in der Vielfachvergegenständlichung von Erzeugnis - Software, d.h. in der der Erzeugnis - Software entsprechenden und gemäß einer Verfahrens - Software erfolgenden Veränderung von Stoffen durch Energie bzw. energetische Prozesse unter Zuhilfenahme von Arbeitsmitteln, von Mitteln der Arbeitsprozeß- Steuerung sowie von Hilfsstoffen."

Abweichend von der Marxschen Definition gehört die Energie nicht zu den Hilfsstoffen, sondern ist wesentlicher Bestandteil der Produktivkräfte, die wie folgt definiert werden:

"Produktivkräfte der materiellen Produktion sind die Energie als die produzierende Kraft sowie die Erzeugnis – und die Verfahrens – Software als jene Kräfte, welche der Energie vorgeben, was diese wie zu produzieren hat."

Der Mensch gehört als Manager, als Erzeugnis – und Verfahrens – Entwickler und als Energielieferant zu den Produktivkräften. In dem Maße, in dem seine Rolle als Energielieferant im Produktionsprozess abnimmt, nimmt auch die Bedeutung der Arbeiter(klasse) in der gesellschaftlichen Produktion ab.

  1. Gebrauchswert und Tauschwert

Der Tauschwert einer Ware wird durch ihren Gebrauchswert bestimmt und nicht durch den zu ihrer Herstellung erforderlichen durchschnittlichen Gesamt - Arbeitsaufwand plus den Mehrwert. Die auf letzterer Vorstellung beruhende marxistische Arbeitswerttheorie ist eine Hypothese, die von der Annahme ausgeht, die Wertbildung, Wertübertragung und Wertschöpfung erfolge während des Produktionsprozesses. Wie ich früher auch bereits vermutet habe, kann diese Hypothese aber weder theoretisch noch praktisch bewiesen werden, denn alle Bemühungen, die quantitative Größe des Mehrwertes und des Profites aus der Produktivität der menschlichen Arbeit heraus zu begründen, führten zu einem Zirkelschluß und waren damit erfolglos. Insbesondere kann mit dieser Hypothese nicht erklärt werden, wieso enorme Profite erzielt werden können durch Automatisierung der Produktion bei Reduzierung der Anzahl von Arbeitskräften. Wie Granowski zeigt, ist die Quelle des Profites nicht der Mehrwert und die Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft, deshalb sind auch alle daraus abgeleiteten Revolutionstheorien falsch.

  1. Tauschwert und Preis

Alle Ökonomen sind sich darin einig, dass die Preisbildung durch das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage auf dem Markt erfolgt und dass die Preise im Mittel nicht niedriger als die Produktionskosten sein können und die Produktion regulieren. Warum aber sind sie im Mittel und auf Dauer höher als die Produktionskosten? Nach der Arbeitswerttheorie enthält der Wert der Ware den Mehrwert der Arbeitskraft und ist deshalb höher als die Produktionskosten. Was aber bestimmt den Wert, wenn der Mehrwert nach der Arbeitswerttheorie nicht quantifizierbar ist oder ist der Wert nichts anderes als der durchschnittlich erzielbare Preis?

  1. Wert und Maximalprofit

Die Grundidee der Werttheorie von Granowski besteht darin, dass der Wert einer bestimmten Ware dem Preis entspricht, der erzielt wird, wenn die Produktionsmenge dieser Ware so gewählt wird, dass eine maximale Profitmasse aus der Produktion genau dieser Ware erzielt wird. Wird die Produktionsmenge gesteigert, so sinkt der erzielbare Profit, weil der Preis gesenkt werden muß, wenn der Umsatz steigen soll. Wird die Produktionsmenge verringert, so sinkt der Profit, weil der Umsatz sinkt. Der Wert der Ware wird damit bestimmt aus der Umsatzmenge, die den höchsten Profit erzielt und der sich damit direkt aus dem gesellschaftlichen Gebrauchswert ableitet, den der Kunde durch sein Kaufinteresse definiert. Dieser gesellschaftliche Gebrauchswert ist gleichzeitig der Tauschwert, weil das Kaufinteresse des Kunden sich aus dem Vergleich unterschiedlicher Waren mit unterschiedlichen Gebrauchswerten bestimmt. Die Maximierung des Profites liegt gleichzeitig im gesamtgesellschaftlichen Interesse, weil damit die Möglichkeiten der erweiterten Reproduktion der Gesamtgesellschaft optimiert werden. Gleichzeitig wandert der erzielte Profit in solche Produktionszweige, in denen noch nicht der Maximalprofit erzielt wird und demzufolge die Preise noch über den Werten liegen und der Bedarf nicht gedeckt wird.

  1. Vermehrung der Warenarten

Wird in allen Produktionszweigen der Maximalprofit erzielt, so ist keine weitere Profitsteigerung durch Produktionsausdehnung möglich, es sei denn, es wird neuartige Erzeugnis – Software und neuartige Verfahrens – Software entwickelt. In dieser Phase wird die Produktion dieser Software die entscheidende Quelle für die weitere Steigerung des Profites. Die Industriegesellschaft wird zur Informationsgesellschaft und die Bedeutung der Arbeiterklasse schwächt sich ab zugunsten der Softwareproduzenten, der Dienstleister und der Intelligenz.

  1. Schlußfolgerungen für die Politik einer sozialistischen Partei