Gleicher als alle

Bemerkungen zur preisgekrönten Arbeit von Christoph Spehr

Für und wider die "Freie Kooperation" enthält eine Einschätzung dieser Arbeit

(siehe hierzu auch die Beiträge von A.Schlemm und M.R.Richter sowie das OpenTheory-Projekt von Chr. Spehr)

Die Grundgedanken dieser Arbeit

In der Einleitung wird populär und anschaulich dargestellt, daß in der heutigen Gesellschaft offene oder verschleierte Herrschaftsverhältnisse die Beziehungen der Individuen untereinander durchgehend bestimmen. Der einzelne muß sich den vorgegebenen Regularien anpassen und hat kaum Chancen, auf deren Gestaltung Einfluß zu nehmen. Ausgangspunkt der weiteren Überlegungen ist das Streben der Individuen, sich diesen Bevormundungen zu entziehen und jegliche Herrschaftsverhältnisse zu beseitigen. Diese richtigen und mit großem schriftstellerischen Geschick vorgetragenen Feststellungen sind geeignet, beim Leser Interesse und Sympathie zu gewinnen.

Im nächsten Abschnitt werden die verschiedenartigen Herrschaftsbeziehungen und Herrschaftsinstrumente analysiert und festgestellt, dass jede Herrschaft auf erzwungener sozialer Kooperation beruht, in welcher der eine Partner vom anderen übervorteilt wird, aber der Preis für die Auflösung der Kooperation zu hoch ist. Grundsätzliches Ziel muß deshalb sein, alle Herrschaftsverhältnisse schrittweise zu reduzieren und ganz zu beseitigen. Sie sind zu ersetzen durch eine "Freie Kooperation", deren wesentliche Voraussetzung die ist, dass sie von jeder Seite zu einem angemessenen Preis jederzeit aufgelöst werden kann.

Spehr kritisiert die marxistische Definition der Freiheit als Einsicht in die Notwendigkeit, indem er die Existenz gesellschaftlicher Notwendigkeiten als menschengemachte grundsätzlich verneint. Die Freie Kooperation hat seiner Auffassung gemäß auch im Verhältnis zwischen Individuum und Staat/Gesellschaft zu gelten, indem jedermann alles, insbesondere vor allem auch alle Regeln der Kooperation in Frage stellen und neu aushandeln darf, und wenn er seine Bedingungen nicht durchsetzen kann, soll er sich eben außerhalb der Gesellschaft stellen dürfen. Jedenfalls darf es keine Mehrheitsdemokratie geben. Dieser Freiheitsbegriff bezieht sich dabei keineswegs nur auf Meinungsfreiheit, sondern auch ausdrücklich auf die Freiheit des Handelns.

Für eine Freie Kooperation gibt es grundsätzlich keine vorgegebenen Regeln, weder für deren Bildung, noch für die Gestaltung ihrer inneren Beziehungen, noch für den Austritt aus der Kooperation. Alles wird ausgehandelt, jeder entscheidet für sich selbst frei ob und unter welchen Bedingungen er an einer Kooperation teilhaben will. Darin besteht seine Freiheit. Wer garantiert diese Freiheit? Niemand. Jeder muß sie sich selbst erkämpfen.

Politik und Antipolitik

  1. Die Theorie der freien Kooperation macht keinerlei Vorschriften. Jede Kooperation gibt sich ausschließlich selbst ihre Regeln und jeder einzelne wirkt mit an der Gestaltung dieser Regeln oder verläßt die Kooperation nach eigener Entscheidung.
  2. Die Theorie der freien Kooperation erhebt keinen Anspruch etwas zu wissen, was nicht jedermann aus eigener Erfahrung zugänglich ist. Jedermann muß sich selbst das Wissen aneignen, das er braucht. Nichts wird von ihm abgefordert.
  3. Keine Art von Kooperation ist wichtiger als eine andere. Jede Kooperation definiert sich selbst, ob es ein Skatverein oder eine Produktionsgenossenschaft ist, macht keinen Unterschied.
  4. Die Theorie der freien Kooperation hat nicht das Ziel, eine gute Gesellschaft zu schaffen. Sie weiß nicht, was ihr Ergebnis sein wird.
  5. Die Theorie der freien Kooperation ist nicht richtiger oder besser als andere. Jedenfalls kann sie das nicht behaupten oder beweisen. Sie fordert einfach die Realisierung von Freiheit und Gleichheit.
  6. Die Theorie der freien Kooperation enthält Widersprüche, aber diese sind nicht größer als die Widersprüche des Kapitalismus oder des Realsozialismus. Sie sind eben anders und eröffnen neue Möglichkeiten.
  7. Die Theorie der freien Kooperation kann nicht theoretisch begründet oder widerlegt werden, wie jede andere Theorie auch. Sie berät die Menschen, die Freiheit und Gleichheit wollen, in ihrer praktischen Tätigkeit und kann nur in der Praxis bestätigt oder widerlegt werden.
  8. Die Theorie der freien Kooperation geht davon aus, das alle sozialen Beziehungen sehr komplexer Natur sind, es gibt keine einfachen. In komplexen Systemen gilt aber das Prinzip der Selbstähnlichkeit. Deshalb kann man unterstellen, das große Gesellschaften im Prinzip ähnlich funktionieren könnten wie kleine Gruppen, Familien, Vereine, Genossenschaften usw., wenn man von den Prinzipien der Selbstorganisation ausgeht und die Selbstregulation der Untersysteme beachtet.
  9. Die Theorie der freien Kooperation fordert nicht die Herstellung einer bestimmten Ausgangssituation, wie etwa die revolutionäre Umwälzung und Herstellung sozialistischer Verhältnisse, sondern geht von der gegebenen Situation aus und erwartet die Befolgung ihrer Ratschläge zur Abwicklung der Herrschaftsverhältnisse in den praktisch existierenden Beziehungen und ihre fortschreitende Umwandlung in mehr oder weniger freie Kooperationen durch kontinuierliche linke Politik.

 

Politik der Freien Kooperation – oder auch – postmoderner Sozialismus

  1. Abwicklung von Herrschaftsinstrumenten - Machtfragen stellen

    Freie Kooperation hat als Voraussetzung, dass Kooperation und Kooperationsleistungen nicht erzwungen werden. In jeder konkreten Kooperation ist zu fragen, welche Seite die Macht hat, sie zu erzwingen. Die entsprechenden Machtinstrumente sind dann zu ächten, nicht einzusetzen und abzubauen. Gewalt, auch zur Erreichung eines "guten" Zweckes, ist nicht einzusetzen. Die dafür nötigen Instrumente sind nach Möglichkeit zu vernichten. Wenn das nicht sofort möglich ist, dann schrittweise. Wichtig ist die Tendenz zur Reduzierung.

    Gewalttätige und militärische Interventionen sind keine zulässigen Mittel der Politik. Strukturelle Nichtangriffsfähigkeit ist überall anzustreben.

    Auch eine beliebige Firma könnte in Form einer freien Kooperation betrieben werden, wenn jegliche strukturellen Unterordnungsverhältnisse systematisch vermieden werden. Der Besitzer brauchte nicht einmal enteignet zu werden. Es genügt, wenn der Arbeiter so gestellt wird, dass er jederzeit die Arbeitsbedingungen frei aushandeln oder kündigen kann und der Staat die geltenden betrieblichen Regeln nicht schützt. Wahrscheinlich wäre die Firma dann nicht so effizient, aber der Arbeiter ist natürlich auch nicht daran interessiert, die Firma kaputt zu machen, jedoch nicht zu jedem Preis. Voraussetzung wäre aber eine staatlich garantierte Grundsicherung, die dem Arbeiter die Freiheit läßt, von sich aus zu kündigen, ohne diese Unterstützung zu verlieren.

    Auf der anderen Seite wäre es erforderlich, alle Privilegien eines formalen, arbeitsvertraglich geregelten und mit staatlichem Kündigungsschutz gesicherten Arbeitsverhältnisses zu beseitigen. Nur so ist es dem Firmenbesitzer zuzumuten, mit einem freien Arbeiter frei die Arbeitsbedingungen zu verhandeln.

    Öffentliche Räume und Kommunikationsmöglichkeiten müssen unabhängig von Effizienzkriterien allen freien Kooperationen und allen Kooperationspartnern zur Verfügung stehen. Sie dürfen nicht als Herrschaftsinstrumente zugeteilt werden.

    Für jede freie Kooperation müssen ausreichend Alternativen vorhanden sein, durch die erst gewährleistet wird, dass man auch nein sagen kann, das heißt, es darf keinerlei Monopole geben.

  2. Politik der Beziehungen - alternative Vergesellschaftung

Freie Kooperation beruht auf dem Aushandeln aller Regeln. Verhandelt werden kann alles und es gibt keine vorgeschriebene Form, in der verhandelt werden muß. Verhandeln muß man nicht unbedingt verbal, auch praktisches Handeln kann Verhandlung sein. Man kann auch Regeln für das Verhandeln aushandeln, oder auch nicht. Nichts wird für immer oder für alle gültig. Freie Kooperation setzt nicht die Regeln, sie stärkt die gleiche Verhandlungsposition der Akteure. Die Aspekte wissenschaftlicher Erkenntnis, demokratischer Mehrheiten oder gesellschaftlicher Notwendigkeiten werden demgegenüber in ihre Schranken verwiesen.

Aus Sicht der freien Kooperation sind Märkte ambivalent. Einerseits sind Märkte typische Orte von Verhandlungen, man kann kaufen oder nicht kaufen. Andererseits gibt es keinen Partner, mit dem man verhandeln kann. Mit der "unsichtbaren Hand" kann man keine Regeln aushandeln. Um aus diesem Dilemma herauszukommen, erfindet Spehr für den Markt als Dachkooperation den "Marktbetreiber", mit dem man die Regeln aushandelt oder sich einen anderen Marktbetreiber sucht. Und mit dem Marktbetreiber kann nicht mehr das Individuum verhandeln, sondern nur eine Einkaufs- bzw. Verkaufsgenossenschaft. An dieser Stelle wird die Basis der freien Verhandlung äußerst mysteriös.

Eine freie Kooperation könnte nach Prinzipien der kommunistischen Moral organisiert sein, aber dann wird sie keinen langen Bestand haben. Eine realistische Kooperation muß von den realen Gegebenheiten ausgehen. Für jeden Einzelnen muss es besser sein, dass er/sie an dieser Kooperation teilnimmt, als wenn er/sie es nicht tut; und für die Kooperation muss es besser sein, dass der/die betreffende Einzelne dabei ist, als wenn er/sie es nicht ist. Andernfalls ist die Kooperation entweder ausbeuterisch und erzwungen, oder moralisch überzogen und auf Dauer nicht haltbar. Es kann nur eine Moralregel für die Verhandlung gelten: Man darf nicht mit jemandem verhandeln, der nicht frei ist und keine Alternative hat.

Freie Kooperation fordert gegenüber anderen Auffassungen mehr als liberale Toleranz gegenüber Abweichungen, sie fordert Anerkennung des Andersartigen als Gleichwertiges. Dies setzt die Anerkennung der eigenen Auffassung als konfliktbehaftet voraus.

Eine Freie Kooperation verfügt über das materielle Kapital und das immaterielle Vermögen, das die Beteiligten in die Kooperation einbringen. Sie setzt es ein für die Erreichung gemeinsam festgelegter Ziele. Trotzdem muß es möglich sein, das kollektive Vermögen auch für Ziele einzusetzen, die nicht alle Beteiligten verstehen oder gutheißen. Ein solches Vorgehen ist ein Risiko, das in Ungleichheit umschlagen könnte, ohne das eine Kooperation aber nicht kreativ sein kann.

Eine Freie Kooperation hat keinerlei Berechtigung für ihren Fortbestand, wenn hierfür keine inneren Gründe vorliegen. Sie ist jederzeit auflösbar, wenn dies für die Beteiligten besser ist und sie das wollen.

3. Entfaltung sozialer Fähigkeiten - subjektive Aneignung

Praktische Realisierung freier Kooperation erfordert die subjektive Aneignung sozialer Fähigkeiten, die unter Herrschaftsbedingungen ständig abtrainiert werden müssen.

Freie Kooperation und die Anerkennung des Andersartigen erfordert ein gewisses Maß an Selbstreflexion und ein Selbstbewußtsein, das um die eigene Besonderheit und Andersartigkeit weiß.

Jede Kooperation braucht ein bestimmtes Maß an Führung. Spehr nennt das "leadership" und meint, es läßt sich nicht übersetzen. Aber ich halte nichts von der Verschleierung von Begriffen, indem man in eine fremde Sprache ausweicht, in welcher der "normale" Leser kein Gefühl für die Bedeutung des Begriffes hat. Man muß sich dann lieber die Mühe machen, zu umschreiben, was man meint. Das macht Spehr ja dann auch. Die geforderte Führung muß die Aufgabe übernehmen, unterschiedliche Auffassungen und Absichten zusammenzubringen und daraus einen Vorschlag machen, wie eine kollektive Orientierung aussehen könnte. Ohne das geht es nicht, es sollte aber vermieden werden, dass daraus Dominanzstrukturen entstehen, indem es immer dieselben sind, die führen. Jeder muß mal führen, auch wenn die Effizienz darunter leidet. Das Problem besteht darin, dass bei einem echten Wechsel der Führung sich auch die Regeln und Ziele der Kooperation verändern, wenn sie das nicht tun, ist die "kollektive Führung" sehr wahrscheinlich nur scheinbar.

Herrschaftsverhältnisse erzeugen Minderwertigkeitskomplexe nicht nur bei den Beherrschten, sondern auch bei den Herrschenden, weil jeder glaubt, dass er noch nicht gut genug herrscht und abgelöst werden könnte. Freie Kooperation muß deshalb darauf hin wirken, das Selbstbewußtsein aller Beteiligten in angemessener Weise gegenseitig zu stärken.

Freie Kooperation ist auf die Fähigkeit des Einzelnen zur aktiven Gestaltung angewiesen. Sie ist Selbstbeauftragung. Keine Aufgabe ist so groß, dass sie nicht in Angriff genommen werden könnte.

Alle Kooperationen, freie wie erzwungene, besitzen für den beteiligten Menschen als soziales Wesen Bindekraft. Freie Kooperationen müssen deshalb die individuelle und kollektive Unabhängigkeit gegenüber Kooperationen anerkennen und fördern. Reines Effizienz- und Vernünftigkeitsdenken untergräbt die Voraussetzungen von Freiheit und Gleichheit.

4. Praktische Demokratiekritik - emanzipative Demokratisierung

"Es gilt, sich nicht weiter vom Mythos Demokratie blenden zu lassen, sondern Demokratie als Regelwerk zu begreifen, das die Disziplinierung von Interessenskonflikten in der patriarchal-kapitalistischen Gesellschaft betreibt.

Claudia Bernhard, Kritik der historischen Demokratie"

Wahlen sind nur eine rudimentäre Form des Verhandelns. Sie können auch dafür herhalten, Machtverhältnisse aufrechtzuerhalten.

Eine Politik der freien Kooperation stärkt alle Körperschaften, die auf der Basis von Gleichheit operieren. Runde Tische haben ihre Nachteile, aber Unterprivilegierte haben an ihnen größere Chancen als in einem vorgeschriebenen übergeordneten demokratischen Prozeß. Abbau staatlicher Regulierungsfunktionen darf nicht zur weiteren Ökonomisierung, sondern muß zu einer Rückverlagerung von Entscheidungen in egalitäre Körperschaften der gravierend Betroffenen führen. Aber es muß geklärt werden, was geschehen soll, wenn dort keine Einigung erfolgt.

Obwohl der Nationalstaat als Form von Herrschaft abzulehnen ist, sind heute auch Linke dazu geneigt, den Nationalstaat zu nutzen, um den Herausforderungen totaler Globalisierung überhaupt begegnen zu können. Auch darin zeigt sich, dass der Einzelne um so weniger Einfluß auf die Regeln freier Kooperation nehmen kann, je größer die Kooperation ist, die ihm gegenübersteht. Dem ist nur dadurch zu begegnen, dass zwischen die kleinen Kooperationen, die der Einzelne noch übersehen und beeinflussen kann, und den großen, weltumspannenden Kooperationen stufenartig Zwischenkörperschaften eingebaut werden, welche die Vermittlung übernehmen. Dies bedingt einen hierarchieförmigen Aufbau der Gesellschaft, der jedoch nicht auf zentraler Gewalt, sondern auf dezentraler Autonomie beruhen muß. Nur in dieser Gestalt ist es auch möglich, die Widerstände zu überwinden, die zentrale Herrschaft der Durchsetzung freier Kooperation von unten nach oben entgegensetzt und das Anfangsrisiko zu überwinden, das jeder Revolution ihren Beginn nahezu unmöglich macht.

Um historisch gewachsene Benachteiligungen unterprivilegierter sozialer Gruppen dauerhaft zu kompensieren, bedarf es ausgleichender Ungerechtigkeiten. In diesem Fall wäre auch zu prüfen, ob es zulässig ist, dass übergeordnete gesamtgesellschaftliche Kooperationen untergeordneten Kooperationen Vorschriften machen dürfen. Auf der gleichen Ebene wäre zu fordern, dass die in den bisherigen Herrschaftsstrukturen üblichen Diskriminierungen bestimmter Gruppen aktiv abgebaut werden.

Eine unabdingbare Voraussetzung für das Funktionieren freier Kooperation ist die Bereitstellung einer sozialen Grundsicherung für alle Individuen, die so bemessen ist, dass sie jedem voraussetzungslos die Aufkündigung unzumutbarer Kooperationsleistungen ermöglicht. Dies könnte in hochentwickelten Ländern monetär über Steuerfinanzierung und in den unterentwickelten Ländern durch Landzuteilung erfolgen. Die Schaffung dieser Voraussetzungen muß nicht darauf beschränkt bleiben, von den Staaten eine entsprechende aktive Politik einzufordern, sondern kann auch durch subversive Maßnahmen direkt realisiert werden, d.h. ein Unterlaufen von zuwider stehenden Regelungen wird zu diesem Zweck ausdrücklich befürwortet bis hin zum Rechtsbruch.

5. Organisierung

Mit Organisierung wird nicht eine formale Organisation gemeint, sondern ein Prozess der Annäherung der Ziele aller nur möglichen emanzipativen Bewegungen. Organisierung heißt Befreiung von allen vorgegebenen und ererbten Regelungen, die sämtlichst Regelungen von Herrschaftsverhältnissen sind, und Vereinigung aller Bestrebungen, die in Richtung einer Politik der freien Kooperation gehen. Die Realisierung dieser Politik ist nicht Aufgabe einer privilegierten Gruppe oder Klasse, sondern eine Aufgabe für jeden, der sich aus Herrschaftsverhältnissen gleich welcher Art befreien möchte, und die Methode ist eine kommunikative Kooperation aller dieser Bestrebungen.

Organisierung erfordert strategische Solidarität mit allen denen, die für die Schaffung der Voraussetzungen für Freie Verhandlungen eintreten, unabhängig von den taktischen Zielen, die sie mit ihnen erreichen wollen.

Organisierung findet in Bündnissen statt, in denen die politische Zusammenarbeit von Gruppen erfolgt, die sich nicht auf einen gemeinsamen weltanschaulichen, praktischen oder organisatorischen Nenner bringen lassen.

Solche Bündnisse müssen immer wieder in Frage gestellt werden, aber wenn sie erfolgreich sein wollen, darf es nicht dazu kommen, das einmal erreichte Anerkennungen der Ziele anderer Bewegungen wieder zurückgenommen werden, wenn die eigene Bewegung erfolgreich war.

Organisierung kann nicht bestehende Regeln ändern, sie kann sie jedoch in Frage stellen und die Auseinandersetzung um ihre Änderung anfachen.

Organisierung behauptet nicht letzte Wahrheiten und gibt keine Sicherheiten. Sie gibt dem Menschen Raum und verlangt nicht, dass er sich für Ziele opfert, die nicht wirklich die seinen sind. Bruch mit politischem Effizienzdenken, Homogenität, Einheitlichkeit und Integration sind die typischen Merkmale der Politik der freien Kooperation.

Kommentar:

Die Arbeit von Spehr wurde hier von mir sehr stark zusammengefaßt und auf eine prinzipielle, abstrakte Ebene gehoben, was sicher die Verständlichkeit nicht fördert, aber die Konzentration auf das Wesentliche erlaubt. In der Originalarbeit, die eine etwa 12-fache Länge hat, sind alle hier thesenartigen Aussagen begründet und mit den unterschiedlichsten Beispielen verständlich gemacht.