Kommentar zu der Schrift

Zur Entwicklung des religiösen Glaubensvon Dr. Adolf Müller

In dieser Schrift wird, ausgehend von einem konsequent atheistischen Standpunkt, die Entstehung und Entwicklung des religiösen Glaubens in die Evolutionsgeschichte des Menschen eingeordnet. Es wird ein einzigartiger Überblick über die Entstehungszusammenhänge verschiedener Religionsrichtungen mit den frühgeschichtlichen Entwicklungen und mit Verweisen auf umfangreiche Literaturquellen gegeben. Entstehungsursachen, Erfolgsgründe und Gründe für die Langlebigkeit religiöser Vorstellungen bis in die Gegenwart hinein werden untersucht.

Die Entwicklungsgeschichten der Bibel, der Evangelien und des Korans werden verfolgt. Ihre Analyse zeigt, dass sie alle von Menschen gemacht und zur Sicherung von Herrschaft und Macht über andere Menschen missbraucht wurden. Die Fortschritte der Wissenschaften in der Gegenwart sollten eigentlich der Überwindung solcher unwissenschaftlicher religiöser Vorstellungen dienen. Es zeigt sich jedoch im Gegenteil, dass die religiös begründeten Kämpfe der Gegenwart an Härte zunehmen und die am spätesten entstandene Glaubensrichtung des Islam ihre relative Modernität als Begründung für ihre Allgemeingültigkeit in Anspruch nimmt.

Ich führe den beschriebenen unbefriedigenden Zustand der durch Terror und Krieg ausgetragenen Machtkämpfe darauf zurück, dass die geistige Entwicklung des durchschnittlichen Menschen der durch den intelligenteren Teil der Menschheit vorangetriebenen raschen Fortschritte der gesellschaftlichen Evolution nicht gewachsen ist. So werden die durch zunehmende Komplexität der Welt wachsenden Widersprüche nicht durch rationale Entscheidungen gelöst, sondern es wird auf die in früheren Evolutionsperioden bewährten emotionalen Entscheidungen zurückgegriffen. An dem gleichen Missverhältnis scheitert auch die Beseitigung der sozialen Ungerechtigkeiten innerhalb der fortgeschrittenen Industriestaaten. Ich befürchte, dass die Lösung dieser Widersprüche erst dann erfolgen wird, wenn die Menschen ihre Vormachtstellung in der Evolution an die immer intelligenter werdenden Computersysteme abtreten muss.

29.1.2017
Bertram Köhler