Anpassung - das Naturgesetz des Menschen

1. Anpassung und sprunghafte Veränderung, Stabilisierung und mutative Destabilisierung sind zwei Seiten des gleichen Prozesses, der das Wesen der Evolution ausmacht.

Eine beispielhaft anschauliche Darlegung der dialektischen Widersprüche dieses Prozesses in der heutigen Gesellschaft findet sich in der Schrift von Gerhard Branstner "Mensch - wohin ?" (controvers Verlag). Die Erkenntnisse Branstners passen nahtlos zu den bisher hier dargestellten Thesen und können wie folgt zusammengefaßt werden:

2. Die Anpassung ist ein von Darwin entdeckter biologischer Vorgang, der umfassend auf das Verhalten des Menschen in der menschlichen Gesellschaft übertragen werden muß und dort als die gesellschaftliche Form eines Naturgesetzes anzusehen ist.

3. Der Kapitalismus ist der Höhepunkt in der Entwicklung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, die in den frühen Phasen der gesellschaftlichen Evolution des Menschen seine Anpassung an die Natur und seine Herrschaft über die Natur ermöglichte. In der heutigen Zeit ist der Kapitalismus jedoch bei Beibehaltung seiner Grundprinzipien in ein System transformiert, das alle seine ursprünglichen Zielstellungen in ihr Gegenteil verkehrt und den zukünftigen Anpassungsanforderungen in keiner Weise mehr gewachsen ist, weil es auch die Anpassung des Menschen an die Umwelt in ihr Gegenteil verkehrt.

4. Die ungelösten Probleme der Dritten Welt sind das Ergebnis der rücksichtslosen Entwicklung des Kapitalismus in der Ersten Welt. Das macht die gegenwärtige Organisationsform der menschlichen Gesellschaft untauglich, die Anpassung von Mensch und Natur wiederherzustellen.

5. Der "reale Sozialismus" war eine krankhafte Fehlentwicklung des Sozialismus, die sich begründet auf seiner Entstehung im derzeit wirtschaftlich und politisch rückständigsten Lande Europas, auf die Reaktionen und Gegenreaktionen der heißen und kalten Kriege und auf die der wirtschaftlichen Rückständigkeit geschuldete Nachäffung der Zielstellungen des kapitalistischen Wirtschaftssystems in Folge nicht ausreichender Motivation für weiterreichende eigene Zielkriterien, die geeignet gewesen wären, die kapitalistische Entwicklung zu paralysieren.

6. Die Menschheit entwickelt sich nach verbindlichen Gesetzen der Evolution. Unter den Bedingungen der weit fortgeschrittenen kapitalistischen Gesellschaft ist der "wirkliche Sozialismus" keine Utopie, sondern der zusammenfassende Begriff für einen dialektischen Prozeß, der allein geeignet ist, den Einklang von Mensch und Natur wiederherzustellen.

7. Der Übergang zum Sozialismus setzt eine zweite Aufklärung voraus. Diese besteht darin, daß das Wissen über die Gesetze der Evolution, über die historischen Zusammenhänge und über die Notwendigkeit dieses Überganges Eingang sowohl in das allgemeine gesellschaftliche Bewußtsein als auch in das individuelle Bewußtsein findet. Erst wenn dieser Aufklärungsprozeß vollzogen ist, wird der Weg für die weitere Evolution des Menschen frei, wenn es dann nicht zu spät ist.

Aber für die Evolution ist es wohl nie zu spät für einen neuen Anfang, die Frage ist nur, ob der Mensch dann noch eine Rolle spielt.