Die Entwicklung vom trivialen zum hochkomplexen System

1. Die Evolution der unbelebten und der belebten Materie führt von einfachen zu immer komplizierteren Systemen. Während die einfachsten Systeme aus gleichartigen Elementen oder Subsystemen bestehen, also segmentarisch differenziert sind, wird eine Steigerung der Systemeffizienz durch eine funktionale Differenzierung der Untersysteme erzielt.

2. Mit der funktionalen Differenzierung entsteht eine Polarität und eine gegenseitige Abhängigkeit der Untersysteme, die in der weiteren Evolution fortschreitet und die Komplexität des betreffenden Systems bestimmt.

3. Komplexität bezeichnet den Grad der Vielschichtigkeit und Vernetzung eines Systems und die Folgelastigkeit eines Entscheidungsfeldes. Die Zunahme der Komplexität ist ein charakteristisches Merkmal der Evolution, aus dem emergente Eigenschaften des übergeordneten Systems erwachsen, die die Teilsysteme nicht besitzen.

4. Triviale Systeme haben einen linear verknüpften Input und Output, wie z.B. Maschinen oder instinktmäßig handelnde Tiere.

Bei steigender Komplexität entwickeln sich zwischen Output und Input Rückkopplungen, die dem System mehrere unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten offenlassen, um auf einen bestimmten Input zu reagieren. Die Vielfalt dieser Handlungsmöglichkeiten bestimmt den Grad der Kontingenz des Systems.

5. Auf der Inputseite löst das betrachtete fokale System ständig Konflikte, die aus der Notwendigkeit resultieren, die von der Umwelt produzierten komplexen Reize und Informationen auf die Menge zu reduzieren, die für das System relevant ist. Auf der Outputseite löst das fokale System ständig Konflikte, die aus der Notwendigkeit resultieren, die Folgen der unterschiedlichen Handlungsmöglichkeiten abzuschätzen und den Konvergenzspielraum auf eine resultierende Handlung zu reduzieren.

6. Die systemspezifische Lösung dieser Konflikte führt zu einer Erhöhung der internen Komplexität des Systems, zu einer weiteren Erhöhung seines Kontingenzspielraumes und zur Überschreitung jener Schwelle der Evolution, die mit den Begriffen Sinn, Identität, Reflexion, Selbstverständnis und Selbstthematisierung verbunden ist und die das hochkomplexe System charakterisieren.

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