Ziel und Aufgabe der Evolutionsforschung

1. In ihrem Buch "Chaos und Kosmos" erläutern die Autoren Ebeling und Feistel als Aufgabenstellung des interdisziplinären Forschungsgebietes Synergetik das Studium des selbstorganisierten Verhaltens von komplexen Systemen, das zu Strukturen und Funktionen führt. Nach Haken, dem Begründer der Synergetik, ist die zentrale Frage der Synergetik die Existenz allgemeiner Prinzipien, welche die selbstorganisierte Bildung von Strukturen und Funktionen sowohl in der belebten wie der unbelebten Natur regieren. Naturgemäß geht es hier in erster Linie um die Untersuchung der Funktion komplexer biologischer, ökologischer und sozialer Systeme. Ein Teilproblem von besonderem Range ist die Ausprägung von Werten und die Entwicklung der Informationsverarbeitung. Es ist offensichtlich, daß die zu diesen Thesen zusammengefaßten Erkenntnisse dem Wissenszweig der Synergetik zugeordnet werden müssen.

2. Das allgemeine Prinzip der Evolution in Natur und Gesellschaft besteht in einer unendlichen Kette von Prozessen der Selbstorganisation, bei denen ein relativ stabiler Evolutionszustand durch Veränderung der inneren oder äußeren Bedingungen instabil wird. Diese Instabilität löst einen Prozeß der Selbstorganisation aus, der eine neue Struktur hervorbringt. Als Resultat der Selbstorganisation entsteht ein neuer relativ stabiler Evolutionszustand, der wiederum in einen neuen Zyklus münden kann.

3. Ein wesentliches Element der Evolutionsforschung ist die Datierung des Neuen im historischen Prozeß. Eine zu beachtende Besonderheit besteht darin, daß nicht nur die Entstehung, sondern auch die Durchsetzung des Neuen ein Zufallsprozeß ist. Werte als abstrakte nichtphysikalische Eigenschaften von Spezies (Subsystemen) in einem dynamischen Kontext drücken dabei das Wesen von biologischen, ökologischen, ökonomischen oder sozialen Wechselwirkungen und Relationen in Bezug auf die Dynamik des Gesamtsystems aus. Werte sind die entscheidenden Größen für die Selektion evolutionsfähiger Subsysteme.

4. Informationserzeugung ist eine spezielle Form der Selbstorganisation. Die Informationsentropie der Wahrscheinlichkeitsverteilung der Ordnungsparameter stellt einen Bruchteil der gesamten statistischen Entropie dar. Dieser Bruchteil ist aber für die Strukturbildung gerade der entscheidende und das Maß für die Strukturiertheit des Systems.

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