Die Grenzen des Wachstums (Meadow)

1. Die ausschließlich auf den Selektionswert "Wirtschaftswachstum" orientierte Marktwirtschaft muß in eine Evolutionskrise kommen, wenn durch äußere Bedingungen ein weiteres extensives Wachstum nicht mehr möglich ist und damit das Wirtschaftswachstums seine ausschließliche Bedeutung als Bewertungskriterium für den Selektionswert verliert. Meadow zeigt, daß im nächsten Jahrhundert folgende Bedingungen das weitere quantitative Wachstum der Wirtschaft einschränken werden:

Eine absolute Grenze für die weitere Evolution auf der Erde wird durch den maximal möglichen Energieverbrauch erreicht werden. Dabei fehlt es weniger an den Energievorräten (Wasserstoff - Kernfusionsenergie wird irgendwann in praktisch unbegrenzter Menge zur Verfügung stehen). Ein größeres Problem ist der Export der dabei erzeugten Entropie, die als Strahlungsenergie in den Weltraum abgeführt werden muß, was zu einer Erhöhung der Strahlungstemperatur der Erde führen wird. Akzeptiert man eine Temperaturerhöhung der Erde um ein Grad, so wird damit die Energieerzeugung (auch aus erneuerbaren Quellen) insgesamt auf 1 Billiarde Watt beschränkt, was bei 10 Mrd. Menschen einem Energieverbrauch von 100 kW pro Mensch entspricht. In den USA liegt der Energieverbrauch heute im Vergleich dazu bei etwa 10 KW pro Kopf. Das Müllproblem wiederum ist nur bei entsprechendem Energieaufwand lösbar. Damit sind die absoluten Grenzen bereits sichtbar.

2. Die Regulierungsmechanismen der Marktwirtschaft führen dazu, daß beim Erreichen einer Wachstumsgrenze zur Überwindung der Hemmungsfaktoren Gegenmaßnahmen ergriffen werden, die das weitere Wachstum der Wirtschaft ermöglichen, mit dem Ergebnis, daß zu einem späteren Zeitpunkt gleich mehrere Wachstumsgrenzen erreicht werden, die dann zum Kollaps der Wirtschaft führen, weil die Handlungsfähigkeit der Menschheit aus Zeitmangel nicht mehr gewährleistet ist. Spätestens zu diesem Zeitpunkt verliert die Wachstumsrate ihre Bedeutung als Bewertungsfunktion für den Selektionswert in der weiteren Evolution. Die mit einer Ausdehnung der Produktion verbundenen Kosten verhindern die Ausdehnung der Produktion, weil die Erzielung einer solchen Profitrate, die die Rückzahlung der Kredite ermöglicht, nicht mehr gewährleistet ist.

3. Da man am wenigsten annehmen kann, daß mit dem Erreichen dieses Zustandes die Evolution zu Ende ist, ergibt sich die Frage nach den möglichen Alternativen. Ein nicht rechtzeitiges Erkennen der Evolutionskrise führt in der Tat automatisch zu einer Senkung des Lebensstandards, zu einer Reduzierung der Bevölkerungszahlen aus Nahrungsmangel und Umweltunverträglichkeit und wird damit zu einer Verschärfung der Verteilungskämpfe, zu nationalen Auseinandersetzungen und Kriegen führen, bis das zulässige noch mögliche niedrige Niveau erreicht ist. Da eine solche Entwicklung vom evolutionstheoretischen Standpunkt aus aber eindeutig einen Rückschritt darstellt (vorhandene Strukturen werden aufgelöst, die Entropie wächst), werden andere Möglichkeiten potentiell vorhanden sein, die mit einem höheren Selektionswert ausgestattet sind.

4. Als Ausweg aus der Wachstumskrise wird im o.a. Buch die rechtzeitige Verringerung der extensiven Wachstumsraten durch folgende Maßnahmen angeboten:

Da alle diese Maßnahmen nur Appelle an die Vernunft der Menschen sind und eine völlig neue Ethik erfordern, erhebt sich die Frage, wie und ob sie überhaupt politisch realisiert werden können, d.h. welche Evolutionsschritte notwendig erfolgen müssen, damit diese Maßnahmen in der Gesellschaft zwangsläufig positiv selektiert werden. Willkürliche Maßnahmen zur Beschränkung des Wachstum widersprechen jedenfalls allen bisherigen Strategien der Evolution und dürften damit von vornherein unrealistisch sein. In dieser Situation wird das gesellschaftliche Bewußtsein zur Steuerung der weiteren Evolutionsprozesse immer stärker in den Vordergrund treten müssen. Nur solche Regulierungsmaßnahmen, die den objektiven Erfordernissen der Evolution entsprechen, haben jedoch tatsächlich Aussicht auf Erfolg.

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