Koevolution von Natur,Kultur und Wirtschaft (Hinterberger)

1. Die Subsysteme des sozioökonomisch - ökologischen Systems der Erde sind offene Systeme, während das System als ganzes geschlossen ist und auch informationell weitgehend als geschlossen angesehen werden kann. Als nicht isoliertes System unterliegt es dennoch der Evolution. Auf der Mikroebene der Individuen erfolgt vor allem eine Replikation, während auf der Makroebene systemische Zusammenhänge eine wesentliche Rolle spielen.

2. Die biologische Replikation erfolgt auf der Ebene der Gene durch Vererbung, die kulturelle Replikation erfolgt durch Kommunikation und Tradierung, die ökonomische Replikation durch Produkte und Technologien

3. Die biologische Evolution erfolgt durch biologische Interaktion, Mutation und Selektion und führt zu einem langsam sich veränderndem Gleichgewicht der Arten. Die kulturelle Evolution erfolgt durch Informationsaustausch und eine dadurch bedingte Bildung und langsame Veränderung von Produktionsstrukturen und Verhaltensweisen im sytemischen Zusammenwirken der Individuen. Die ökonomische Evolution erfolgt durch den Warenaustausch auf dem Markt und entsteht durch ständige Veränderung der Marktgleichgewichte durch innovative Produkte.

4. Als intelligente, bewußt denkende Menschen sind wir dem Selektionsprozeß nicht völlig ausgeliefert, wir können ihn wahrnehmen und unsere Umwelt beobachten und feststellen, daß wir beobachtet werden. Davon ausgehend können wir aktiv Entscheidungen treffen.

5.Biologische, kulturelle und ökonomische Evolution sind eng miteinander verflochten. Zu den kulturellen Leistungen der Menschheit gehört es, biologisch und ökonomisch evolutionäre Prozesse zu kontrollieren und planerisch zusteuern. Dem sind aber auch Grenzen gesetzt. Evolutionäre Prozesse blicken nicht in die Zukunft, sie führen zwar zu momentaner Steigerung der Fitneß, haben aber keine Indikatoren zur Feststellung langfristig günstiger Entwicklungspotentiale.

6. Neoklassische Betrachtungsweisen mit ihren deduktiv abgeleiteten Theorien können der Komplexität der ökonomischen Evolution nicht gerecht werden. Die Wirtschaft ist keine Maschine, die deterministisch gesteuert werden kann. Eine wirksame Einflußnahme ist nur unter Berücksichtigung ihres evolutionären Charakters möglich.

[weiterlesen]