Das dynamische Modell Kondratieffs

(nach Klaus Gebicke)

1.Kondratieff analysierte mit statistischen Methoden ökonomische Zeitreihen über 140 Jahre hinweg und stellte 3 ähnliche "lange Wellen" fest die sich empirisch durch eine Differentialgleichung beschreiben lassen. Die Dauer der Welle beträgt 48 bis 55 Jahre, Ruben nimmt einheitlich 55 Jahre = 2 Generationen an.

Beginn des Aufschwungs 1788 1843 1898 1953
Beginn des Abschwungs 1816 1870 1926 1981

Die Welle wird beschrieben durch den kumulativen Anstieg des nationalen Kapitals K, der beschäftigten Bevölkerung A und das Niveau der Technik m nach der Formel dy/dt = k * y * (L-y) mit der Lösung

y = L/(1 + C + exp(-k*L/t)).

Jede Welle besteht aus den Phasen Prosperität, Rezession, Depression, Erholung und führt von einem Gleichgewichtszustand 3.Ordnung zum nächsten.

2. Im Gleichgewicht erster Ordnung ist die Produktion stationär im Gleichgewicht und der Marktpreis reguliert Angebot und Nachfrage. Im Fortschreiten wird die Produktion erweitert und das Verhältnis zwischen Produktion und Konsumtion stellt sich im Gleichgewicht 2. Ordnung auf eine konstante Wachstumsrate ein, die sich auf der Basis der vorhandenen grundlegenden Kapitalgüter (Anlagen und Ausrüstungen, Meliorationssysteme, hochqualifiziertes Personal) ergibt. Im Gleichgewicht dritter Ordnung verändern sich die grundlegenden Kapitalgüter und erreichen ein neues Niveau. Im Grunde handelt es sich also nicht um Gleichgewichtszustände, sondern um rückgekoppelte dynamische Veränderungsprozesse.

3. In der Phase der Prosperität erfolgt eine radikale Rationalisierung und Umgruppierung des Produktionspotentials auf der Basis bereits vorliegender und technologisch noch nicht realisierter Erfindungen, akkumulierter Kapitalüberschüsse und niedriger Zinsen. Die sich mit Großinvestitionen ausdehnende Wirtschaft verschärft den Kampf um neu Absatz- und Rohstoffmärkte, erweitert den Welthandel und bringt politische, soziale und militärische Konflikte hervor.

4. In der Phase der Rezension setzt nach Ausschöpfung des Innovationspotentials der Erfindungen und der Kapitalreserven ein Kapitalmangel ein, der durch Selbstverstärkungsprozesse, vor allem durch das Anwachsen des unproduktiven Kapitalverbrauchs zur Finanzierung von Kriegen und zur Bekämpfung revolutionärer Bewegungen drastisch spürbar wird. Die Zinsen steigen und das Tempo der Investitionen nimmt ab.

5. In der Depression verstärkt sich die Suche nach Möglichkeiten zur Verbilligung der Produktion, es werden Rationalisierungsinvestitionen, aber keine grundlegend neuen Erfindungen mehr realisiert. Das Preisniveau sinkt.

6. In der Phase der Erholung wird auf der Grundlage sinkender Preise die Spartätigkeit aktiviert, es wird erneut Kapital akkumuliert und es werden Erfindungen gemacht, die aber noch nicht realisiert werden.

7.Das Nationaleinkommen E beschreibt Kondratieff mit der Formel

E = m * (A*K)^(1/2)

woraus folgt

E = (dE/dK)*K + (dE/dA)*A

8. Kondratieff paßt den Verlauf von K(t) und A(t) mit Hilfe der 3 Konstanten k, L und C an empirische Daten an und bestimmt weitere ökonomische Parameter mit Hilfe der Formel

Kapitalakkumulation S = dK/dt

Zinsverlauf i = dE/dK

Arbeitslohn l = dE/dA

Produktion von Produktionsmitteln P1 = C + S

Produktion von Konsumgütern P2 = E - S

Gesamtproduktion P = P1+P2 = E+C

Grundrente R = i * V

V = Wert des Bodens

Die Beschreibung der Wirtschaftsdynamik erfolgt also rein empirisch - phänomenologisch auf der Grundlage der logistischen Ausgangsgleichung und läßt keine theoretischen Schlußfolgerungen zu Möglichkeiten der Steuerung der Wirtschaftsprozesse zu.

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