Evolutorische Wirtschaftstheorie

nach Helmut Arndt:

(siehe hierzu auch Granowski )

Inhalt

1. Kreislaufwirtschaft und Wachstum

Betriebe sind gegebene Wirtschaftseinheiten ohne intensiv erweiterte Reproduktion. Ihr Produktionsumfang regelt sich nach Angebot und Nachfrage herkömmlicher Waren auf dem Markt.

Der Ertrag (Gewinn) eines Betriebes ergibt sich aus der Differenz der auf dem Markt erzielten Preise und den Herstellungskosten der Ware und wird vom Eigentümer abgeschöpft.

Unterhalb eines bestimmten Produktionsvolumens wird der Ertrag negativ und der Betrieb unrentabel. Übersteigt der Bedarf die mögliche Obergrenze des Produktionsvolumens dauerhaft, so kann der erzielte Ertrag für die Erweiterung des Betriebes (ohne Rationalisierung) verwendet werden.

In der Kreislaufwirtschaft entsteht kein echter Mehrwert. Im Gleichgewicht entspricht der gezahlte Arbeitslohn dem Wert der produzierten Waren. Wird zu wenig Lohn gezahlt (Ausbeutung), so fehlt es an zahlungsfähiger Nachfrage und der Ertrag sinkt auf den dem gezahlten Lohn entsprechenden Wert, es sei denn der Kapitalist verwendet den einbehaltenen Lohn für seinen eigenen (privaten) Bedarf. In der Kreislaufwirtschaft ist insofern die Erwirtschaftung von Mehrwert unmittelbar mit Ausbeutung verbunden.

Bei wachsender Bevölkerung steigt der Bedarf. Das Sozialprodukt wächst entsprechend der Bevölkerung, aber die durchschnittlichen Einkommen bleiben gleich, weil weder in der Produktivität der betrieblichen Anlagen noch in der Gestaltung der Waren eine Änderung eintritt. (Keynessches Wirtschaftsmodell).

2. Evolutorische Wirtschaftsentwicklung

Unternehmen sind wirtschaftliche Einheiten, in denen nicht nur Waren reproduziert, sondern neue Waren entwickelt, und nicht nur mit gegebenen Anlagen gearbeitet wird, sondern leistungsfähigere Produktionsverfahren in entsprechend modernisierten Anlagen eingesetzt werden.

Novitätsinvestitionen kreieren bessere und neue Produkte. Sie bereichern das Warenangebot an Konsum- und Kapitalgütern. Durch neue und bessere Konsumgüter entwickelt sich der Bedarf und neue Kapitalgüter ermöglichen Rationalisierungsinvestitionen.

Rationalisierungsinvestitionen steigern die Produktivität und ermöglichen hierdurch einerseits Kostensenkungen und Einkommenssteigerungen und andererseits eine Steigerung des mengenmäßigen Angebotes.

Der auf Ausbeutung beruhende Anteil des Mehrwertes ist eine Folge der Umverteilung, die zu Lasten der Arbeitskräfte oder eines anderen Teiles der Wirtschaft geht. Dieser Anteil führt zu Störungen und damit zu einer Verlangsamung der Produktivitätszunahme. Der echte Mehrwert beruht auf einer Zunahme der Produktivität infolge von Rationalisierungsinvestitionen. Er führt zu einer Erhöhung der durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen sowohl der Unternehmerhaushalte wie auch der Arbeitnehmerhaushalte, wenn es keine Ausbeutung gibt. (Die Fähigkeit der Erzeugung von Mehrwert ist eine emergente Eigenschaft des Wirtschaftssystems Mensch - Maschine)

Die Wettbewerbswirtschaft ist keine Kreislaufwirtschaft im Gleichgewicht, sondern beruht auf der Produktion von echtem Mehrwert durch kreative Leistungen. Dabei muß die Produktion neuer und besserer Waren durch Novitätsinvestitionen und die Produktivitätssteigerung durch Rationalisierungsinvestitionen aufeinander abgestimmt sein und sich in einem dynamischen Gleichgewicht befinden, das sich durch Angebot und Nachfrage immer wieder dynamisch einstellt. In diese Dynamik müssen auch die Entwicklung der Konsumgüter und die Entwicklung der Arbeitslöhne einbezogen sein, um eine entsprechende Entwicklung der Nachfrage, der Bedürfnisse und der Ansprüche zu gewährleisten.

Die unternehmerische Leistung besteht in der Entscheidungsfindung für ein ausgewogenes, der Dynamik dieser Entwicklung entsprechendes Verhältnis zwischen Produktion, Novitätsinvestition und Rationalisierungsinvestition.

Technischer Fortschritt ist zwar die Grundlage der Novitäts - und Rationalisierungsinvestitionen, kann aber ohne letztere nichts zur Wirtschaftsentwicklung beitragen.

Gesellschaftliche Arbeitsteilung ist nicht die Ursache, sondern die Folge der Produktivitätsentwicklung auf der Grundlage schöpferischer Leistungen des Menschen.

3. Regelungsmechanismen der Wettbewerbswirtschaft

Die Anpassung von Angebot und Nachfrage wird nur durch das freie Spiel der Preise gewährleistet. Voraussetzung für das freie Spiel der Preise ist die freie Konkurrenz der Anbieter und Käufer untereinander.

Das freie Spiel der Preise gewährleistet sowohl eine Anpassung der produzierten Menge wie auch der Qualität der Waren.

Die Entwicklungselastizität eines Unternehmens ist durch seine Fähigkeit und durch seine Bereitschaft bestimmt, Entwicklungsinvestitionen durchzuführen. Voraussetzung ist ein genügend hoher Anreiz, der das Risiko von Neuerungen überkompensiert, und die intellektuelle Fähigkeit, neue Produktionsfaktoren einzusetzen und neue Waren zu entwickeln.

Die Entwicklungselastizität der Haushalte ist durch ihre Bereitschaft und Fähigkeit bestimmt, ihre steigenden Einkommen für neue Produktqualitäten und neue Produkte auszugeben. Sie kann durch konservative Haltungen, fehlende Bildung und durch Religionen behindert sein.

Die Anpassungselastizität der Haushalte und der Unternehmen nimmt mit der wirtschaftlichen Entwicklung und dem steigenden Angebot zu.

Eine hohe Entwicklungselastizität sichert einem schöpferischen Unternehmen durch eine Innovation einen Vorsprung vor seinen Konkurrenten. Die Nachahmer bringen ähnliche Produkte zu niedrigeren Preisen auf den Markt und sichern damit den angemessenen Anstieg der Reallöhne.

Die freie Konkurrenz der Anbieter und Nachfrager untereinander und die Sicherung der Wettbewerbsanreize für eine angemessene Zeit muss durch staatliche Maßnahmen wie Antikonzerngesetze und Patentgesetze gewährleistet werden.

Bei unterschiedlichen Machtverhältnissen zwischen Lieferanten und Abnehmern muß die freie Preisbildung durch staatliche Regelungen wie die allgemeine Lieferpflicht bei freier Wahl des Lieferanten und ähnliche Maßnahmen gesichert werden.

Der freie Lohnbildungsprozess muss durch Kündigungsschutz der Arbeitnehmer und Streikgesetzgebung gewährleistet sein.

Die Entwicklungspotentiale der Wirtschaft beruhen auf folgenden Wettbewerbsfunktionen:

- Preiswettbewerb der Anbieter sichert niedrigstmögliche Preise

- Qualitätswettbewerb der Anbieter sichert preisgerechte Qualität

- Novitätswettbewerb sichert die Entwicklung neuartiger Waren

- Rationalisierungswettbewerb sichert kostengünstigste Produktion

- Anpassungswettbewerb gleicht vorübergehende Schwankungen von Angebot und Nachfrage aus

- Nachahmerwettbewerb beseitigt das nach der Entwicklung neuer Waren entstandene Monopol

- Untergangswettbewerb verhindert die Weiterproduktion nicht mehr benötigter Waren

Wird die Wahlfreiheit der Wirtschaftspartner durch Machtstrukturen eingeschränkt, so besteht nur formaler Wettbewerb, der die Wirtschaftsentwicklung behindert.

4. Folgen der Wirtschaftsentwicklung

Wird der produzierte echte Mehrwert für Entwicklungsinvestitionen verwendet, so ergibt sich eine progressive Wirtschaftsentwicklung, die auch einen entsprechenden Anstieg der Reallöhne zur Folge hat. Wird ein zu hoher Anteil des Mehrwertes konsumiert, so verlangsamt sich die Wirtschaftsentwicklung bis zum Gleichgewichtszustand der Kreislaufwirtschaft.

Bleibt der Anstieg der Reallöhne hinter dem Anstieg des echten Mehrwertes zurück (es entwickelt sich Ausbeutung), so wird ein Teil der Warenproduktion unverkäuflich und es kommt zur periodischen Absatzkrise, der mögliche Mehrwert kann nicht realisiert werden und die Wirtschaftsentwicklung verlangsamt sich progressiv, da Arbeiter entlassen werden und der Absatz dadurch weiter absinkt.

Wird ein zu hoher Anteil des Mehrwertes für Rationalisierungsinvestitionen und zu wenig für Novitätsinvestitionen verwendet, so steigt die Produktivität zu schnell an, ohne daß entsprechender Bedarf vorhanden ist. Infolgedessen werden Arbeitsplätze eingespart und es entsteht Dauerarbeitslosigkeit. Sind gleichzeitig die Reallöhne und Steuern zu hoch, so entsteht ein Mangel und Unterangebot an neuen und besseren Waren und ein Überangebot an Kapital, niedrige Zinsen und Geldentwertung.

Arndt (wie auch die Kohl - Regierung der BRD) sieht zu hohe Löhne, Lohnnebenkosten und Steuern zugleich als Ursache für zu geringe Novitätsinvestitionen an. Daß hierfür auch ein nach oben begrenztes Entwicklungstempo des technischen Fortschrittes die Ursache setzen könnte, wird nicht in Betracht gezogen. Stattdessen unterstellt Arndt als mögliche Ursache eine konservative, neuerungsfeindliche Einstellung der Bevölkerung, die mit ihren gestiegenen Einkommen nichts anzufangen wüßte.

Unterstellt man, daß das Entwicklungstempo des technischen Fortschritts und damit auch der Umfang der Novitätsinvestitionen eine natürliche obere Grenze besitzt, so kann eine Senkung der Arbeitslosenzahlen nicht durch Senkung der Löhne und Steuern, sondern nur durch staatliche Förderung der Forschung und Erhöhung der Löhne und Steuern erreicht werden, um das Tempo der Wirtschaftsentwicklung an das Tempo des technischen Fortschritts anzugleichen. Das würde man am schnellsten durch Verkürzung der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich erreichen.

5. Der Einfluss wirtschaftlicher Macht

Die neoklassischen Wirtschaftstheorien gehen immer von Gleichgewichtswirtschaften aus und berücksichtigen nicht die aus dem technischen Fortschritt resultierenden Entwicklungsprobleme. Infolgedessen wird in diesen Theorien die Möglichkeit der Entstehung und des Mißbrauchs wirtschaftlicher Macht verneint und die daraus abzuleitenden staatlichen Regulierungsmaßnahmen werden falsch interpretiert und entsprechen nicht den Erfordernissen einer sich entwickelnden Wirtschaft.

Ein Unternehmen, das ein Monopol besitzt, verschafft sich Vorteile auf Kosten seiner Geschäftspartner. Nichts - außer dem Staat - kann ein Monopol an der Ausbeutung seiner Partner hindern.

Ein Unternehmen, das ein Machtmonopol anstrebt, verdrängt Konkurrenten oder zwingt sie zur Aufgabe ihrer Selbständigkeit. Zur Erzielung eines Monopols ist ihm jedes Mittel recht und kein Verlust zu groß, wenn der Kampf um ein Monopol nur kurzfristig ist und das erworbene Monopol langfristig besteht.

Ein Machtmonopol erhöht den Preis, verknappt die Menge, verschlechtert die Qualität und reduziert Entwicklungsinvestitionen. Machtmonopole verlangsamen daher mit der wirtschaftlichen Entwicklung die Entstehung des Mehrwertes und reduzieren den Anstieg der Realeinkommen.

Das reale Verhalten der Monopole verändert sich mit der staatlichen Gesetzgebung. Die gleichen Zwecke, denen traditionelle Monopole dienen, lassen sich auch durch Quasimonopole erreichen.

Quasimonopole umgehen die staatliche Antikonzerngesetzgebung durch Verflechtung der Aufsichtsräte und durch die Trennung von Eigentum und Verfügungsmacht.

6. Wettbewerbsentartungen

Wenn ein Wirtschaftler nicht mehr die Freiheit besitzt, zwischen seinen Geschäftspartnern frei zu wählen, wird der Wettbewerb formal. Nicht die Leistung, sondern der Umfang der Ausbeutung entscheidet dann im Wettbewerb.

Bei fehlendem Kündigungsschutz und staatlichem Gewerkschaftsverbot hat der Arbeiter nicht mehr die freie Wahl des Arbeitsplatzes. Die Folge ist Ausbeutung und Unterentwicklung der zahlungsfähigen Nachfrage, was zu periodischen Absatzkrisen führt.

Konzentriert der Staat die Macht am Arbeitsmarkt einseitig bei den Gewerkschaften, führen überhöhte Reallöhne zur Verstärkung von Rationalisierungsinvestitionen bei gleichzeitiger Zurückstellung von Novitätsinvestitionen. Infolgedessen entsteht Dauerarbeitslosigkeit, zumal die Gewerkschaften nicht die Interessen der Arbeitslosen vertreten.

Anbietermacht an einem Warenmarkt besitzt ein Unternehmen (Autokonzerne, Ölkonzerne), das seinen Abnehmern Preise, Mengen oder Qualitäten vorschreiben kann, weil seine Kunden die Freiheit verloren haben, einen anderen Lieferanten zu wählen. Die damit verbundene Ausbeutung führt zur Monopolisierung mit allen damit verbundenen negativen Folgen (s. Abschnitt 5).

Nachfragermacht liegt vor, wenn Hersteller wegen des hohen Anteils nur eines Kunden am Absatz seiner Waren auf diesen Kunden angewiesen ist, weil er sonst in Absatzschwierigkeiten kommt (Handelsketten). In der ersten Phase profitieren von den gedrückten Preisen die Endverbraucher, was aber zur weiteren Monopolisierung des Handels und in einer späteren Phase zu erhöhten Monopolpreisen führt.

Die Gestaltung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für das richtige Funktionieren der Wettbewerbswirtschaft ist eine Aufgabe des Staates.

7. Entwicklung des Außenhandels

Durch den freien internationalen Warenaustausch erhöht sich das Entwicklungstempo von Angebot und Nachfrage, weil Novitäten schnell verbreitet werden und sich der echte Mehrwert hierdurch vervielfacht. Andererseits wird dadurch die wirtschaftspolitische Souveränität der beteiligten Länder eingeschränkt.

Weltmarktpreise bilden sich durch Anpassung von Angebot und Nachfrage auf dem Weltmarkt und nicht durch unterschiedliche Reproduktionskosten in den am Austausch beteiligten Ländern. Hohe Arbeitsproduktivität und hohe Löhne in dem einen Land wird dabei durch niedrige Arbeitsproduktivität und niedrige Löhne in dem anderen Land ausgeglichen. Stark voneinander abweichende Warenpreise können nur dort Bestand haben, wo hohe Schutzzölle den freien Warenaustausch behindern.

Bei freiem internationalen Warenaustausch können die Reallöhne in einem unterentwickelten Land nur durch entsprechende Erhöhung der Arbeitsproduktivität erhöht werden. Erfolgt eine Forcierung der wirtschaftlichen Entwicklung durch Kapitalexport bzw. - Import, so ergeben sich jedoch günstige Bedingungen für Ausbeutung.

Entsprechend dem Entwicklungstempo von Angebot und Nachfrage muß auch die Menge des zirkulierenden Geldes zunehmen, weil sonst eine Verknappung des Geldes den Wert des Geldes erhöht. Entspricht die Menge des Geldes nicht dem zunehmenden Warenangebot, so steigt in den Ländern mit höherem Entwicklungstempo der Wechselkurs im Vergleich zu Ländern mit geringerem Entwicklungstempo, weil das zunehmende Warenangebot exportiert wird und das rückfließende Geld die Geldmenge überproportional erhöht, bis der neue Wechselkurs angepasst ist. In dem neuen Wechselkurs drückt sich der neue höhere Wert des Geldes im Lande mit dem höheren Entwicklungstempo aus.

Die Einflüsse des Welthandels mit Finanzkapital werden von Arndt zwar erwähnt, aber nicht ausreichend analysiert.

8. Finanzpolitik und Störungen der Wirtschaftsentwicklung

Die finanzpolitischen Überlegungen von Arndt erscheinen mir unzureichend begründet. Er geht davon aus, daß progressive Steuern und Abgaben bei Unternehmensgewinnen direkt und bei Verbrauchs- und Lohnsteuern indirekt den Anteil des Mehrwertes verringern, der für Novitätsinvestitionen eingesetzt wird, so daß eine Verlangsamung des Entwicklungstempos resultiert. Dabei wird (stillschweigend) vorausgesetzt, daß die Staatsausgaben immer zu einem geringeren Teil zu Novitätsinvestitionen führen, als die Unternehmer ohne die Besteuerung hierfür einsetzen würden und die Haushalte durch Sparen für Kredite bereitstellen würden. Falls die in 4. unterstellte Sachlage zutrifft, sind derartige Überlegungen irrelevant.

Die Ursachen wirtschaftlicher Störungen variieren mit den vom Staat gesetzten gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Der Staat kann durch seine Gesetzgebung in die Wirtschaft eingreifen und hierdurch Ursachen von Störungen beseitigen, aber auch Störungen hervorrufen. Infolgedessen muß der Staat die Ursachen wirtschaftlicher Störungen analysieren und gezielt solche Maßnahmen treffen, die diese Ursachen beseitigen ohne die Interessen der Wirtschaftspartner einseitig zu befördern oder zu behindern.

Die Überproduktions- und Unterkonsumtionskrise entsteht, wenn durch fehlenden Kündigungsschutz und machtlose Gewerkschaften die Reallöhne zu niedrig gehalten werden. In der Folge entsteht Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Niedergang.

Sind umgekehrt die Reallöhne schneller als die Produktivität gestiegen, so werden Rationalisierungsinvestitionen forciert und Arbeitskräfte entlassen, wodurch ebenfalls Arbeitslosigkeit entsteht.

Wird durch Kreditschöpfung der Banken der Geldumlauf schneller als die Wirtschaftsentwicklung forciert, so kommt es zu niedrigen Zinsen und zu Investitionen, die sich langfristig als unrentabel erweisen. Der Wechselkurs sinkt und der Import steigt, während der Export sinkt und durch fehlenden Absatz die Arbeitslosigkeit ansteigt.

Wächst die zirkulierende Geldmenge langsamer als die Wirtschaft, so kommt es zu Geldverknappung und ansteigenden Zinsen, wodurch Investitionen reduziert und die Wirtschaftsentwicklung gebremst wird. Gleichklang der Geld- und Güterentwicklung führt zur Geldwertstabilität und zu günstigen Entwicklungsbedingungen für die Wirtschaft.

Ist die Wirtschaft auf ein hohes Entwicklungstempo eingestellt, dem das Tempo der technischen Entwicklung nicht folgen kann, so dass keine Ideen für neue und bessere Waren vorhanden sind, so kommt es zu Absatzschwierigkeiten und Dauerarbeitslosigkeit, weil der entstehende Mehrwert vorwiegend für Rationalisierungsinvestitionen und Abbau von Arbeitsplätzen eingesetzt wird. Das gleiche tritt ein, wenn durch Höchstpreise für neue Produkte oder durch Luxussteuern der Anreiz für Novitätsinvestitionen vermindert wird.

Durch staatliche Subventionierung untergehender Märkte werden die für die Entwicklung erforderlichen Mittel reduziert und das Entwicklungstempo reduziert. Das gleiche erfolgt bei zu hohen Sozialausgaben.

Monopolisierung führt zur Unterdrückung des freien Wettbewerbs, zu Verminderung der Entwicklungsinvestitionen, zu Ausbeutung und zu Arbeitslosigkeit.

Fazit aus diesem Buch: Störungen der Wirtschaftsentwicklung können einander entgegengesetzte Ursachen haben. Der Staat kann durch richtige Regulierung der Rahmenbedingungen Störungen beseitigen, muss hierzu aber eine von den verschiedenen Interessengruppen unabhängige Analyse der Ursachen erarbeiten. Das scheint derzeit nicht gewährleistet zu sein.

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