Evolution als Weltanschauung

(Entwurf)

Evolution als Weltanschauung   1

Vorwort 1

Biologische Evolutionstheorie  1

Physik der Selbstorganisation und Evolution  2

Evolutionstheorie in den Geisteswissenschaften  3

Die Natur des Geistes  3

Meme und Gene  3

Die Rolle des Zufalls  4

Verschiedene Memtypen  5

Ein dritter Replikator?  6

Sozialsystem und Gesellschaft 6

Evolution der Gesellschaft 7

Die Evolution geht weiter  8

Literaturverzeichnis  9

 

Vorwort

Eigentlich ist mein Vortrag überflüssig, denn ich bin kein Forscher, der neue Erkenntnisse vorstellen kann, sondern alles was ich mitzuteilen habe ist schon mal gesagt oder geschrieben worden.

Warum trage ich es dann vor? Nicht ich habe entschieden, den Vortrag trotzdem zu halten!

Die Meme sind es, die mich veranlassten, denn sie drängen danach kopiert zu werden, damit sie in mehr und neue Köpfe einziehen können und nicht aussterben. Deshalb bitte ich um Nachsicht, wenn Sie glauben, dies Alles schon mal gehört oder gelesen zu haben. Es muss auf einer Tagung „Das darwinistische Mem“ einfach noch einmal gesagt werden. Kann man nach dieser Einleitung noch kritische Bemerkungen zur Memtheorie  machen? Ich denke ja, aber nur wenn man anerkennt, dass sie einen wahren Kern enthält.

Biologische Evolutionstheorie

Als Darwin 1859 mit seinem  Buch Die Entstehung der Arten  die Theorie der Evolution durch natürliche Selektion veröffentlichte, beabsichtigte er vordergründig lediglich der in der Biologie empirisch zusammengestellten Ordnungssystematik der Lebewesen eine wissenschaftlich begründete theoretische Erklärung zu unterlegen. Ganz neu war diese Theorie jedoch nicht, denn bereits Lamarck hatte die Ähnlichkeit der systematisch geordneten Gattungen und Arten durch gegenseitige Abstammung erklärt und Spencer entwickelte aus seiner Philosophie heraus ein Fortschritts- und Entwicklungskonzept, das bei Tieren auf Anpassung an ihre natürliche Umwelt, durch Vererbung von Funktionsänderungen und Ausmerzung der Nichtgeeigneten beruhte, beim Menschen auf Anpassung an seine soziale Umgebung [1]. Im Gegensatz dazu vertrat Baer 1828 in seinem Hauptwerk "Über die Entwicklungsgeschichte der Thiere" die Auffassung, dass die Entwicklung aller Wirbeltiere einem Grundplan folge, so wie die Entwicklung aller Mollusken einem anderen. Von Anpassung und Selektion war bei ihm nicht die Rede. Auch Ernst Haeckel greift um 1900 die Baer’sche Abstammungslehre auf und entwickelt sie weiter, aber obwohl er einen Schöpfer anerkennt und der Mensch noch nicht als Zufallsprodukt blinder Naturgesetze verstanden wird, stößt er auf heftigen Widerstand kirchlicher Kreise, welche die Lehren der Bibel in Frage gestellt sehen. In der 1.Hälfte des 20.Jahrhunderts lieferten biologische Forschungen immer neue Beweise für die Richtigkeit der Abstammungslehre, aber es verblieben immer noch weiße Stellen, wo es Lücken gab, die nur durch Annahmen geschlossen werden konnten. Es gab Tatsachen, die unterschiedlich interpretiert werden konnten, an denen die ideologischen Gegner der Evolutionstheorie ansetzten und ihre Zweifel anmeldeten und so letztlich verhinderten, dass das allgemeine Welt- und Menschenbild von der Evolutionstheorie entscheidend verändert und bestimmt werden konnte. Es stellten sich 3 konkurrierende Welt- und Menschenbilder zur Diskussion:

-        der Mensch als Zufallsprodukt (Neodarwinismus)

-        der Mensch als Milieuprodukt  (Neolamarckismus)

-        der Mensch als Planung der Schöpfung (Kreationismus)

 

Die seit dem erzielten Erkenntnisse der Molekulargenetik, die Entdeckung der Doppelhelix der DNA, der epigenetischen Vererbung und der Populationsdynamik bewirkten zwar, dass die Abstammungslehre kaum noch angezweifelt werden kann, führten aber zu keiner Entscheidung zwischen den o.a. konkurrierenden Auffassungen. Betrachtet man nur biologische Fakten und Erkenntnisse, so muss die Abstammungslehre im Prinzip wohl als wissenschaftlich bewiesen gelten, auch wenn verschiedene Einzelheiten noch nicht geklärt und manche Tatsachen noch unterschiedlich erklärt werden und ein eindeutiges Weltbild daraus nicht schlüssig ableitbar ist.

 

Physik der Selbstorganisation und Evolution

 

Eine Schlüsselproblem der Evolutionstheorie ist die Frage nach der Entstehung des Lebens aus lebloser Materie. Wenn diese Frage schlüssig beantwortet werden kann, wird eine Reihe von ungeklärten Problemen der biologischen Entwicklung entschärft oder gegenstandslos. Ausgangspunkt einer solchen Fragestellung sind physikalische und chemische Prozesse, die einen Charakter von Selbstorganisation aufweisen, der Grundbaustein für Evolutionsvorgänge sein könnte. In den 70er Jahren begannen Physiker und Chemiker wie Haken[2], Eigen, Prigogine, Ebeling[3] u.a. derartige Prozesse zu untersuchen und die Voraussetzungen und Grundprinzipien für Selbstorganisation und Evolution zu erforschen. Es zeigte sich, dass es eine ganze Reihe von physikalischen und chemischen Prozessen gab, die selbstorganisatorische Eigenschaften hatten und  somit Startpunkt für Evolutionsprozesse sein konnten. Wesentlicher Gesichtspunkt war, dass sich dabei aus einzelnen Elementen ein System bildet, das einen höheren Ordnungszustand repräsentiert, was physikalisch einer Abnahme der Entropie entspricht und bei oberflächlicher Betrachtungsweise vom II. Hauptsatz der Thermodynamik scheinbar verboten wird. Im Ergebnis entstand eine Thermodynamik irreversibler Prozesse, die zeigte, dass Selbstorganisationsprozesse nur fernab vom thermodynamischen Gleichgewicht möglich sind und voraussetzen, dass das betrachtete System laufend freie Energie importiert und die produzierte Entropie an seine Umgebung abgibt. Das bedeutet, dass z.B. die Zufuhr von freier Energie und der Export von Entropie von der Erde in den Weltraum eine grundlegende Bedingung für die Entstehung und Entwicklung von Leben auf der Erde war. Außerdem konnte man eine Reihe von katalytischen chemischen Prozessen finden, die im Prinzip geeignet sind, die notwendigen organischen Substanzen entstehen zu lassen, die als Startpunkt für primitives Leben in Frage kommen. Wenn man auch bis heute nicht genau weiß, welcher spezielle Prozess das erste Leben entstehen ließ, so kennt man jedoch bereits einige Prozesse, die abgelaufen sein könnten. Prinzipiell ist damit die Frage geklärt: Das Leben könnte entstanden sein, ohne das hierzu eine mystische Schöpferkraft angenommen werden muss.

Die Reduktion komplexer Vorgänge auf ihre physikalischen Grundlagen und Ursachen eröffnete einen neuen Zugang zum Verständnis von Evolutionsprozessen, was zur Entstehung der synergetischen Evolutionstheorie beitrug. Man entdeckte Bedingungen und Prinzipien der Evolution, die in allen Systemen, die überhaupt einer Evolution unterliegen, in ähnlicher Weise wirken. Es entstand eine interdisziplinär anwendbare evolutionäre Systemtheorie, die ausgehend von mathematischen und physikalischen Erkenntnissen und Methoden solche Erscheinungen wie Wachstum, zufällige Variation, systematisches Einlaufen von Trajektorien in seltsame Attraktoren, Selektionsprozesse, Selbstreproduktion und die Vereinigung von einfachen Elementen und Systemen zu immer komplexeren übergeordneten Strukturen und Systemen mit neuen Eigenschaften zu erklären in der Lage war. Man versuchte diese universelle Evolutionstheorie über die Biologie hinaus in allen oder fast allen Wissenschaftsbereichen anzuwenden und fand in der Kosmologie, in der Geologie, in der Ökonomie, in der Soziologie, in der Informatik, in den technischen Wissenschaften und auf vielen anderen Gebieten Erscheinungen und Prozesse, die sich mit den Methoden und Prinzipien der evolutionären Systemtheorie untersuchen und erklären ließen.

Eine charakteristische, in allen Disziplinen zu findende Eigenschaft evolvierender Systeme ist die Tendenz zur Bildung komplexerer, übergeordneter Systeme mit neuartigen, emergenten  Eigenschaften. Daniel Dennett [15]bezeichnet die Bildung solcher Systeme mit emergenten Eigenschaften als „Gestaltung“. Die eine bemerkenswerte emergente Eigenschaft der Entwicklung des Lebens, insbesondere des Menschen, war die Herausbildung von Gehirnen mit so komplexer Struktur, dass Denken möglich und geistige Prozesse wirksam werden konnten. Damit erhielt die Evolution des Menschen eine neue Richtung und eine neue Ebene der Evolution wurde eröffnet, die Ebene der Entwicklung des Bewusstseins.

Eine zweite, aber sicherlich nicht davon unabhängige Entwicklungsrichtung war die Vereinigung individueller Organismen zu komplexeren Systemen in Form von sozialen Gruppen, Organisationen, Staaten und Gesellschaften. Es sollte nicht verwundern, dass sich auch in diesen hochkomplexen Systemen emergente Eigenschaften zeigen, welche die Fähigkeiten der Individuen und die Summe ihrer individuellen Leistungsvermögen weit übersteigen.

 

Evolutionstheorie in den Geisteswissenschaften

Die Natur des Geistes

Während in den Naturwissenschaften und den ihnen nahestehenden Gebieten sich das evolutionäre Gedankengut auf Grund ihres Untersuchungsgegenstandes relativ schnell verbreitete, gab es in den Geisteswissenschaften größere traditionell bedingte Widerstände. Hier muss sich wohl zunächst die evolutionäre Erkenntnistheorie Vollmers[4] durchsetzen und es muss allgemein akzeptiert werden, dass der Erkenntnisapparat des Menschen und seine darauf gründenden geistigen Fähigkeiten ein Produkt seiner Evolution sind und gerade soweit reichen, wie sie dafür notwendig oder nützlich waren und sind. Solange in den Sozial- und Geisteswissenschaften noch offen oder versteckt unterstellt wird, dass der menschliche Geist seinen Ursprung in übernatürlichen Kräften habe, hat die Evolutionstheorie hier schlechte Karten. Dennoch gibt es vielversprechende Ansätze z.B. in den Sprachwissenschaften, die aber wohl an der Beachtung naturwissenschaftlich begründeter Wanderbewegungen des frühen Menschen nicht vorbeikommen konnten. Bei voller Anerkennung evolutionärer Ansätze befürchtet man aber offenbar eine Unterwanderung der Geisteswissenschaften durch die Naturwissenschaften, was die heftigen Widerstände erklären könnte.

 

Meme und Gene

Das Eindringen der Evolutionstheorie in die Geisteswissenschaften begann mit der Definition der Meme durch Dawkins.[5] Wie in der Biologie die Genetik lediglich die Methode der Selbstreproduktion durch Gene untersucht, wird in der Memetik der Susan Blackmore[6] die Selbstreproduktion der Kultur durch Meme untersucht. Selbstreproduktion ist aber noch keine Evolution – lediglich eine unverzichtbare Voraussetzung dafür. Darwin kannte noch keine Gene und ihre Reproduktion – seine Vorstellungen vom Mechanismus der Vererbung waren sogar falsch, dennoch konnte er die Abstammungslehre begründen, weil er die Bedeutung der natürlichen Selektion erkannte. Dawkins Metapher vom egoistischen Gen vereinfachte die komplexen Beziehungen zwischen Genotyp und Phänotyp und unterstellte die vollständige Bestimmung des Phänotyps durch den Genotyp. Dass zumindest  ein solcher Eindruck durch Dawkins Buch „Das egoistische Gen“ hervorgerufen wurde, gibt der Autor in seiner überarbeiteten Auflage zu, in der er sich gegen den Vorwurf eines deterministischen Reduktionismus wehrt. Ob Dawkins bereits bei der Erarbeitung der ersten Ausgabe des Buches klar gewesen ist, dass auch in der ontogenetischen Entwicklung des Phänotyps emergente Eigenschaften eines komplexeren Systems zum Vorschein kommen, die im Genom noch nicht angelegt sind, muss aber wohl offen bleiben. Immerhin kann er sich aber auf den vorletzten Satz seines Buches berufen, der da lautet:“ Wir sind als Genmaschinen gebaut und als Memmaschinen erzogen, aber wir haben die Macht, uns unseren Schöpfern entgegenzustellen.“ Woher kommt diese Macht? Sie ist nicht reduktionistisch aus den Genen und Memen ableitbar, sondern eine Folge der Emergenz, die jedem komplexeren System zuwächst.

Die zunächst einseitige Sicht Dawkins auf die Wechselwirkungen zwischen Genom und Phänotyp wird durch die Memetik Blackmores fortgesetzt, auch wenn mit der möglichen Weitergabe erworbener Eigenschaften durch die Meme von vornherein ganz andere Reproduktionsbedingungen vorliegen. Auch der Phänotyp des Mems und seine Bewährung in der Umwelt haben Emergenz. Weder das „egoistische“ Gen noch das „egoistische“ Mem setzt die Evolution allein in Gang, es bremst sie eher, oder genauer gesagt, es sorgt durch möglichst exakte Reproduktion  für die Erhaltung eines einmal erreichten Entwicklungsstandes. Gene und Meme verhindern durch ihre exakte Kopierbarkeit, dass bei den für eine Evolution notwendigen Innovationen unvermeidbare Fehlschläge zu Rückschlägen werden. Aussonderung dieser Fehlschläge ist deshalb wesentlich für die Evolution. Diese Selektion erfolgt am Phänotyp, dessen Fitness zwar sowohl von den ererbten Genen als auch von den übernommenen Memen wesentlich abhängt, aber letztlich vor allem von  dessen Umwelt bestimmt wird, zu der auch alle anderen Phänotypen und Arten gehören. Die Variation von Genen und Memen aber ermöglicht erst die Entstehung innovativer Phänotypen und damit die Evolution. Der Modus der Variation ist so gesehen das wichtigste Element im Algorithmus der Evolution.

 

Die Rolle des Zufalls

Wenn heute erwiesen ist, dass die Variation der Gene im wesentlichen durch den Zufall zustande kommt, so ist die Annahme einer vorwiegend zufallsbedingten Veränderung von Memen sehr fragwürdig, wie sie den Darstellungen der Memetik üblicherweise unausgesprochen zu Grunde liegt. Die Entstehung und Veränderung von Memen hat häufig bestimmte natürliche, logische oder kulturelle Ursachen, die nicht vom Zufall bestimmt werden, jedenfalls nicht von zufälligen Kopierfehlern und Missverständnissen bei der Kommunikation. In der biologischen Evolutionstheorie wurde sehr umfangreich gerade die Frage untersucht und erörtert, wie die Variation der Arten zu Stande kommt und welche Rolle zufällige Mutationen der Gene und Anpassungen der Phänotypen an die Umwelt jeweils spielen. Die Vererbung erworbener Eigenschaften wurde durch sorgfältige Forschungen eindeutig widerlegt. Wenn Meme die analoge Rolle für die kulturelle Evolution spielen sollen wie die Gene für die biologische, so sollte man erwarten, dass eine Memetik sich ebenso ausführlich mit der Frage befasst, wie die Variation der Meme zustande kommt. Dies scheint aber nicht der Fall zu sein.

 

Selbstverständlich wird im gesamten Prozess der kulturellen Evolution der Zufall auch eine bedeutende Rolle spielen. Letztendlich ist es ja allein der Zufall, der den schöpferischen Charakter aller Evolutionsprozesse bedingt. Gäbe es objektiv keinerlei echten Zufall, so wären alle Evolutionsprozesse deterministisch vorbestimmt, jedes Ereignis hätte eine genau bestimmte Ursache, die wiederum Wirkung einer anderen Ursache wäre. Das aber hieße, dass alle Vorgänge  durch einen ersten Anstoß in Bewegung gesetzt, zwangsläufig zu einem bestimmten Endergebnis führen und kein Raum für Innovationen bleibt. Die Zukunft wäre damit eindeutig durch deterministische Naturgesetze festgelegt, wir würden sie lediglich noch nicht kennen. Konsequent weitergedacht, läge dann bereits heute das genaue Datum und die Uhrzeit fest, zu der jeder einzelne von uns sterben wird, wir wissen es nur noch nicht. Die Leugnung des Zufalls hat weitreichende weltanschauliche Konsequenzen, die so weit gehen, dass die Evolution nur noch als Entfaltung und Verwirklichung einer vorgefassten Idee betrachtet werden könnte oder ganz geleugnet werden müsste und durch die Idee der zyklischen Wiederkehr allen Geschehens zu ersetzen wäre. Es ist dann naheliegend, einem Gott sowohl die Verantwortung für den ersten Anstoß als auch für die Planung des gesamten Ablaufs sowie für den Sinn des Lebens zuzuweisen, wie dies von den verschiedenen Religionen ja getan wird. Der Zufall hat jedoch in den Wissenschaften einen festen Platz auch in Form von Zufallsgesetzen gefunden und kann wohl kaum noch geleugnet werden. Eine vom Zufall getriebene Evolution aber ist in sich von vornherein schöpferisch, ihr Ziel bleibt offen und der Sinn des Lebens ist nicht vorbestimmt, sondern entsteht erst im Laufe des jeweiligen Lebens selbst. Aber auch wenn Zufall als Tatsache nachgewiesen ist, beweist das noch lange nicht, dass ein Gott nicht existiert. Wer unbedingt an einen Gott glauben will, kann auch in jedem einzelnen Zufall eine Entscheidung Gottes sehen. Gott hätte dann allerdings unwahrscheinlich viel zu entscheiden und könnte das nur erledigen, wenn er wirklich allmächtig wäre. Ich würde ihm das lieber nicht zutrauen.

 

Verschiedene Memtypen

Eine Memetik, die den Anspruch erhebt, allseitig die kulturelle Evolution zu beschreiben, muss die Prozesse der Entstehung und Veränderung der Meme als einen wesentlichen Bestandteil enthalten und genauer untersuchen, welche Variationen auf Zufällen beruhen und welche gesetzmäßig und gewollt zu Stande kommen. Wenn Meme die vielfältigen Seiten und Bestandteile von Kultur repräsentieren sollen, so muss ihre Bedeutung gleichfalls vielfältig und unterschiedlich sein und es ist zu erwarten, dass sich diese Vielfalt auch in der Art und Weise zeigt, wie die Variationen der Meme entstehen.  Um diesem Problem näher zu treten, möchte ich deshalb die Meme in vier Kategorien einteilen, die einmal durch die Bedeutung der Meme und zum anderen durch die Art ihrer Variation bestimmt sind.

 

Bedeutung à

Variation ¯

Meme, die materielle Phänotypen repräsentieren

Meme, die geistige, soziale und gesellschaftliche Systeme bilden

Meme, die durch Zufallsprozesse variiert werden

Fähigkeiten und Verhaltensweisen, werden vom Phänotypen (Mensch, Energon) durch Erfahrung, Imitation und Lernen erworben und durch Bewährung im Alltagsleben in der jeweiligen Umwelt selektiert

Traditionen, Normen und  Gewohnheiten von sozialen Gruppen, Vereinen, Organisationen, Religionsgemeinschaften, werden durch Kommunikation und Kombination unterschiedlicher Abstammungslinien variiert

Meme, die vorwiegend zielgerichtet variiert werden

Projekte, Pläne und Bauanleitungen für Artefakte (Werkzeuge, Maschinen, Anlagen, Bauwerke, Kunstwerke), werden durch geistige Arbeit und logische Denkprozesse erzeugt und variiert und durch Bewährung der repräsentierten Phänotypen in der Umwelt selektiert

Wissenschaftliche Methoden, Erkenntnisse und Theorien als geistiges Eigentum der Gesellschaft, werden erzeugt durch empirische Forschung und logische Folgerungen, werden selektiert durch Aufdeckung logischer Widersprüche und Nichtübereinstimmung mit empirischen Erfahrungen

 

Welche Parameter Umfang und Geschwindigkeit der Memverbreitung beeinflussen, wird gewöhnlich in memetischen Darstellungen ausführlich erörtert, wie die Variation der Meme zu Stande kommt jedoch nicht. Eine  Memetik, die nicht die unterschiedlichen Spezifika der verschiedenen Memtypen berücksichtigt, kann nur einzelne Aspekte, aber nicht die kulturelle Evolution als Ganzes richtig darstellen. Natürlich muss zunächst geklärt werden, ob alle vier Kategorien tatsächlich Meme sind, welche die kulturelle Evolution bestimmen.

Nach Dawkins eigenen Worten war es nicht seine Absicht, „eine großartige Theorie der menschlichen Kultur“ zu entwerfen, sondern er wollte lediglich die Rolle der Meme als Replikatoren in der kulturellen Evolution herausstellen. An mehreren Beispielen zeigt er aber, dass er wissenschaftliche Theorien als Meme klassifiziert, indem er ihre Verbreitungshäufigkeit als Maßstab ihrer Überlebenstüchtigkeit nimmt. Er zeigt aber auch an vielen Beispielen, dass Meme ausgehend von bestimmten Interessen gerade so gestaltet werden, dass sie sich als überlebensfähig erweisen und damit nicht zufällig entstehen. Das legt es nahe, dass man verschiedene Memtypen unterscheiden sollte. Im Buch von Blackmore erscheinen alle Meme eher als Zufallsprodukte, die Macht über die Menschen haben und nicht von ihnen gestaltbar sind. Obwohl durch Selektion der Meme Gestaltbarkeit von Kultur unterstellt wird, kann Blackmore nicht allen Memen  Phänotypen oder Vehikel zuordnen, die für ihre Verbreitung sorgen. Sie verzichtet deshalb ganz auf diese Begriffe (Seite 120), während ich daraus die Schlussfolgerung ziehe, dass man unterschiedliche Typen von Memen identifizieren sollte, die verschiedene Aspekte kultureller Entwicklung bestimmen, aber nicht „die Evolution von Kultur und Geist“ an sich, wie der Untertitel von „Die Macht der Meme“ suggeriert.

 

Ein dritter Replikator?

Zu Beginn der kulturellen Evolution variierten die Meme offensichtlich zufällig. Nachdem das Gehirn unter dem Druck dieser ersten Meme voll ausgebildet und die Sprache entstanden war, schuf der Mensch bewusst Poppers Welt3, die aus den objektiven Erkenntnissen und Theorien besteht, die er in seiner Sprache formuliert und in Dokumentationen und Kunstwerken fixiert. Der logische Inhalt dieser Welt existiert objektiv und außerhalb des menschlichen Bewusstsein, wird vom Menschen geschaffen als sein Produkt, unterliegt der Kritik aller Menschen, die zu seiner Evolution führt und kann von allen Menschen angeeignet und benutzt werden zur Verbesserung ihrer subjektiven Welt 2. Wenn der  geistigen Inhalts der Welt3 Meme sind, so erfolgt deren Variation nicht zufällig, sonder zielgerichtet, ihre Wirkung entspricht aber der Wirkung der Meme in der subjektiven Welt2, aber es ist eine grundsätzlich andere Kategorie von Memen, die in Blackmores Memetik nicht einbezogen ist. Bei ihr sind nur solche Gedanken Meme, die kopiert und durch Imitation weitergegeben werden können und auch weitergegeben werden. Lerninhalte, die durch eigenständiges Lernen im Prozess Versuch – Irrtum oder durch Belohnung und Bestrafung erworben werden, sind keine Meme. Meme werden durch die Beobachtung des Verhaltens Anderer und durch Nachahmung dieses Verhaltens neu erworben, ohne dass hierzu ein rationales, tiefgehendes Verständnis dieses Verhaltens erforderlich ist. Eine ähnliche Einschränkung liegt offenbar auch der Vorstellung Richard Dawkins zu Grunde, der Meme ist erster Linie als Replikatoren versteht und deren Bedeutung für die Kultur ebenfalls nur in Richtung ihrer Selektionskriterien untersucht, ohne daraus eine Kulturevolution ableiten zu wollen.

Akzeptiert man diese Einschränkung, so wären die bedeutenden kulturellen Errungenschaften der unteren Zeile o.a. Tabelle keine Meme und es existiert vielleicht ein dritter Replikator in Poppers Welt 3., während Blackmores Meme nur in Poppers Welt 2 operieren. Es ergebe sich dann eine Theorie der dreistufigen Evolution, die mit folgender Tabelle charakterisiert werden könnte:

 

Einteilung der Welt nach Popper [16]

Herrschende Replikatoren

Phänotyp/Vehikel

Welt 1 der physikalischen Objekte und Zustände (Natur)

Kräfte, Autokatalytische Substanzen und Gene

Leblose Objekte und lebende Organismen

Welt 2 als subjektives Abbild der Welt 1 im Bewusstsein jedes einzelnen Menschen

Gedanken, Fähigkeiten, Verhaltensweisen, Informationen und Moralvorstellungen (Meme)

Gehirn und Geist
künstliche Speichermedien als Hilfsmittel (Papier, Telefon, elektronische Medien)

Welt 3 als Gesamtheit der objektiven Erkenntnisse und Theorien über die Welt 1

(Kultur)

Wissenschaftliche Erkenntnisse, Hypothesen, Theorien, Modelle, Technologien, Bauanleitungen Religionen, Weltbilder (Hypermeme)

Wissenschaftliche, kulturelle und soziale Institutionen, Dokumente, Artefakte, Maschinen, Anlagen, Bauwerke,  Kunstwerke

 

 

Sozialsystem und Gesellschaft

Der Soziologe Niklas Luhmann[7] versuchte den Evolutionsgedanken in seine Theorie sozialer Systeme einzubauen. Er verstand soziale Systeme aber nicht im Sinne der synergetischen Evolutionstheorie, sondern ausschließlich als Kommunikationssysteme, die operativ in sich geschlossen sind und nur solche Informationen aus der Umwelt aufnehmen, die für sie von Bedeutung sind. Da er Information semantisch definiert, geht er sogar davon aus , dass soziale Systeme keine Informationen, sondern lediglich „Reize“ aus der Umwelt erhalten, die erst noch im System interpretiert werden müssen. Die im Luhmann’schen sozialen System kommunizierten, mit Bedeutung belegten Informationseinheiten sind nichts anderes als die Meme der Blackmore’schen kulturellen Evolution. Luhmann konstruiert einen Reproduktionszyklus für Kommunikation, der dem Reproduktionszyklus der Gene entsprechen soll, indem er die drei evolutionären Funktionen Variation, Selektion und Restabilisierung auf die Elemente der Kommunikation Information, Mitteilung und Verstehen bezieht. Durch Mitteilung wird die ursprüngliche Information, das Mem, verändert und anders verstanden, ihre Reproduktion führt zu ihrer Variation. Variation ist abweichende Reproduktion, die aber an vorangehende anschließt. Dies ist völlig analog zur Genmutation. Variierte Meme werden von den bestehenden Strukturen des autopoietischen Systems selektiert, d.h. sie werden entweder angenommen oder abgelehnt. Werden sie angenommen, so führen sie zu Veränderungen der bestehenden Strukturen. Diese Art der Selektion wird also nicht von einer Umwelt bewirkt, sondern ist eine systeminterne Selektion, wie sie auch in der ontogenetischen Entwicklung biologischer Organismen zu beobachten ist, wenn Embryos im Frühstadium ihrer Entwicklung abgestoßen werden. Eine durch Annahme des variierten Mems geänderte Struktur kann diese inkompatibel mit anderen Strukturen des übergeordneten Systems oder mit seiner Umwelt machen. Nach positiver Selektion einer Kommunikation muss dann eine Phase der Restabilisierung folgen, in der das funktional differenzierte Obersystem seine internen Funktionen wieder miteinander kompatibel macht und an die erforderlichen Wechselwirkungen mit seiner Umwelt anpasst. Ob dieser intern operativ geschlossene Prozess zu einer im darwinistischen Sinne interpretierbaren Evolution führt, wird von  K. Gilgenmann [8] u.a. in verschiedenen Aufsätzen zu Recht bezweifelt.  Man darf deshalb nicht erwarten, das die von Luhmann ausgearbeitete Theorie sozialer Systeme auch die Evolution dieser Systeme richtig beschreibt und erklärt. Insbesondere weist Gilgenmann darauf hin, dass Luhmann deshalb die Entwicklung einer Weltgesellschaft aus seiner Theorie heraus nicht erklären kann, so zutreffend diese auch Prozesse der Differenzierung von System und Umwelt und die funktionale Differenzierung von Subsystemen auch zu beschreiben vermag. Willke[9], der die Luhmannsche Theorie sozialer Systeme erfolgreich weiterentwickelte, kommt offenbar deshalb nicht auf den von Luhmann angegebenen Evolutionsalgorithmus zurück.

 Ein weiterer wesentlicher Mangel dieser Theorie sozialer Systeme scheint mir zu sein, dass sie Menschen nicht als Bestandteile oder Elemente innerhalb des Systems, sondern als zur Umwelt gehörig betrachtet und deshalb die Gesellschaft nicht adäquat beschreiben kann. Das Kommunikationssystem ist nur an das Bewusstsein der Menschen gekoppelt. Auch dieses Detail schwächt Willke ab, indem er die Menschen einer „Inneren Umwelt“ zuordnet. Wie insbesondere Helga Weisz[10] feststellte, wird durch den Ausschluss des Menschen die Behandlung der Wechselwirkung des Sozialsystems mit der Umwelt erheblich erschwert, denn jeder Eingriff in das ökologische System kann dann nur auf das direkte Einwirken des Menschen zurückgeführt werden und der zweifellos vorhandene direkte Stoffwechsel zwischen dem Sozialsystem Gesellschaft und der Natur wird ignoriert. Damit wird z.B. unterstellt, dass die Senkung der Umweltbelastung durch Auspuffgase nur dadurch reduziert werden kann, dass jeder einzelne Mensch sich entschließt, weniger Auto zu fahren. Ignoriert wird, dass die Gesellschaft so strukturiert ist, dass der Mensch zur Ausübung seines Berufs vielfach gezwungen ist, Auto zu fahren. Rohstoffverbrauch und Schadstoffemission werden dann nicht als Stoffwechsel des Gesellschaftssystems, sondern als Summe des Stoffwechsels aller Individuen mit der Natur angesehen.  Es sind offenbar immer noch vorhandene dualistische Grundanschauungen, die zu solcher Entkopplung materieller und geistiger Systeme führen.

 

Evolution der Gesellschaft

 Löst man sich konsequent von der Vorstellung, der Mensch spiele eine besondere Rolle in der universellen Evolution und betrachtet seine geistigen Fähigkeiten, seine Moral und Ethik als emergente Produkte dieser Evolution, so gibt es keinen Grund zu der Annahme, mit der Schaffung des Menschen sei die Evolution an einem Endpunkt angelangt. Warum sollte ein Zusammenschluss der Menschen in Sozialsystemen nicht ebenfalls den universellen Gesetzen der Evolution genügen und zu emergenten Systemeigenschaften führen, die mehr sind als die Summe der Eigenschaften der zum System gehörenden Menschen und dem System völlig neue Eigenschaften und Fähigkeiten verleihen? Dieser Aspekt wurde von Willke weiter ausgebaut.  Wir sollten uns dann nicht wundern, wenn die Regierungen nicht in der Lage sind, bestimmte Entwicklungen in Gang zu setzten oder zu verhindern, obwohl entsprechende Beschlüsse vorliegen, die im Interesse einzelner oder aller Menschen anzustreben sind. Die Struktur des Systems erzeugt dann als Ordnungsparameter die Dynamik des Systems und nicht der Wille und das Interesse der einzelnen Menschen. Verfolgt man diesen Gedankengang weiter, so erzeugen die auf ihre vielfältigen Interessen gerichteten Aktivitäten der Individuen lediglich Zufallsmutationen der Systemstruktur mit positiven oder negativen Selektionswerten, die durch das Wirken der Wissenschaften vorselektiert und durch die Wirkungen der komplexen Systemzusammenhänge endgültig selektiert werden. Das bedeutet keineswegs, dass die Menschen völlig hilflos dem Wirken objektiver Systemgesetze ausgeliefert wären, sie können durchaus auf die Richtung gesellschaftlicher Entwicklungen Einfluss nehmen, wenn auch dieser Einfluss wie in jedem komplexen System nicht vorausberechenbar ist und kleine Anstöße große Wirkungen hervorrufen oder als nicht systemkonform eliminiert werden können.

Alle Systeme haben die Tendenz, sich zu größeren und leistungsfähigeren Systemen zu vereinigen.

Die gesellschaftliche Evolution folgt dieser Tendenz und befindet sich gegenwärtig in einer Phase, in der alle gesellschaftlichen Systeme der Erde politisch, wirtschaftlich, technisch und kommunikativ in Wechselwirkung stehen, wodurch sich das komplexeste System bildet, das überhaupt auf der Erde möglich ist. Durch diese Globalisierung werden bisher in gesellschaftlichen Systemen gültige Ordnungsparameter und Bewertungskriterien verändert. Es ist noch nicht zu erkennen, ob der Mensch in der Lage sein wird, die sich daraus entwickelnden Probleme in  seinem Interesse zu meistern.

 

Die Evolution geht weiter

Sollte mit der Bildung einer Weltgesellschaft die Evolution an ihrem Ende angekommen sein? Wenn unsere Vorstellung von einem universellen Evolutionsalgorithmus  richtig ist, wird die Evolution nicht stehen bleiben. Die von dem Menschen in Gang gesetzte Evolution der Technik beginnt mit der immer schnelleren Entwicklungsgeschwindigkeit der Computertechnologien sich einer Grenze zu nähern, an welcher der Mensch für die Weiterentwicklung der Technik nicht mehr notwendig ist. Das heißt aber nichts anderes, als dass sich die technische Entwicklung verselbständigt und in Form von Computern neue Replikatoren entstehen, welche die Evolution selbständig weitertreiben können. Es gibt zur Zeit bereits mindestens drei ernstzunehmende Bücher[11][12][13], in denen die Möglichkeiten und Konsequenzen einer solchen Entwicklung aufgezeigt werden. Wenn der menschliche Geist als ein Produkt der Evolution anzusehen ist, besteht kein Grund zu der Annahme, dass nicht auch die selbständige Evolution der Maschinen Denken und Geist hervorbringen könnte, die dem der Menschen ebenbürtig oder sogar überlegen sein könnten. Dann stünde uns ein Wettbewerb bevor, dessen Ausgang wie überall in der Evolution offen ist, der aber ernst genommen werden sollte. Noch könnte eine Weltgesellschaft vielleicht erreichen, dass die Entwicklung von Computern gestoppt wird, ehe sie sich verselbständigt. Bisher wird in der Politik eine solche Situation aber nicht in Betracht gezogen. Könnte es nicht eines Tages hierfür zu spät sein?

Die Evolutionstheorie und ihr Wandel sind Teil unserer Kultur- und Geistesgeschichte. Sie widerspiegelt in allen ihren Phasen den jeweiligen Zeitgeist, auch wenn ihre Schrittmacher diesem häufig voraus waren. Die in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts noch heftig diskutierten Kontroversen, die in ihren extremen Ausdrucksformen den Menschen als genetisch bestimmtes Zufallsprodukt auf der einen Seite oder als formbares und erziehbares Milieuprodukt auf der anderen Seite definierten, haben sich auf Grund der zwischenzeitlich erzielten Forschungsergebnisse weitgehend angenähert, indem beide Anschauungen ihre Berechtigung auf Teilgebieten nachweisen konnten. Geblieben aber ist die Diskrepanz zwischen den weltanschaulich motivierten unterschiedlichen Erklärungen der nicht mehr wegzudiskutierenden Evolutionstheorie. Da Zufälle als wesentliches kreatives Element dieser Theorie nicht vernachlässigbar sind und ihre Rolle wissenschaftlich untermauert werden konnte, bleibt die Kontroverse zum Verständnis des Menschen als Ergebnis eines Schöpfungsplanes unverändert vorhanden. Man darf auch nicht erwarten, dass diese Kontroverse eine wissenschaftliche Auflösung finden wird, solange religiöser Glaube für eine Vielzahl von Menschen noch Bedeutung hat. Zufall ist per Definition eben nicht wissenschaftlich weiter begründbar, deshalb ist eine Anschauung, die im Zufall die Verwirklichung des Willens eines Gottes sehen will, zwar weder empirisch noch logisch beweisbar, aber auch nicht widerlegbar. Auf das Wirken eines Schöpfer-Gottes nicht zwingend angewiesen,  kann die Evolutionstheorie jedoch wissenschaftliche Grundlage einer Weltanschauung sein, die weiter ausbaubar ist, wie Lee Smolin[14] in seinem Buch „Warum gibt es die Welt?“ wie folgt skizziert:

·        Es gibt hinter den erkennbaren Erscheinungen der Welt keine von uns unabhängige absolute und ewige Realität, deshalb sollten wir aufhören, danach zu suchen.

·       Der Glaube, die Welt vom Standpunkt eines objektiven Beobachters außerhalb der Welt als ewige und absolute Realität beschreiben zu können, ist ein Überrest der Religion, denn das ist der Standpunkt eines Gottes.

·       Unsere Erkenntnis ist zwar objektiv, bezieht sich aber ausschließlich auf die Erscheinungen dieser Welt, mit denen wir uns auseinander zu setzen haben. Wissenschaftliche Theorien müssen deshalb grundsätzlich so formuliert werden, dass sie die Erscheinungen vom Standpunkt eines Beobachters innerhalb der Welt beschreiben. Die Sichtweise eines Beobachters von außerhalb darf in ihnen gar nicht möglich sein.

·       Das geozentrische Weltbild, die Vorstellung von Elementarteilchen als etwas Punktförmiges und das anthropologische Prinzip sind nur historisch notwendige Durchgangsstadien eines wissenschaftlichen Weltbildes, das noch teleologisch-religiöse Elemente enthält, aus denen sich seine Entstehung und Beständigkeit ableiten.

·       Die Vorstellung, Naturgesetze gelten ewig, implizieren eine quasireligiöse Auffassung, denn sie müssten dann vor der Entstehung der Welt geschaffen worden sein - von einer Art Gott. Ein modernes evolutionäres Weltbild muss solche Vorstellungen überwinden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Literaturverzeichnis



[1] Rupert Riedl: Kulturgeschichte der Evolutionstheorie, Springer Verlag 2003

[2] Haken/Wunderlin, Die Selbststrukturierung der Materie, Vieweg 1991

[3] Ebeling und Feistel, Physik der Selbstorganisation und Evolution, Akademie-Verlag 1982

 

[15] Dennet, Daniel C., Darwins gefährliches Erbe, Hoffmann und Campe 1997

[4] Vollmer, Gerhard: Was können wir wissen?, Hirzelv.Stuttgart 1988

 

[5] Richard Dawkins, das egoistische Gen, Spektrum Akademischer Verlag, 1994

[6] Blackmore, Susan, Die Macht der Meme, Spektrum Akademischer Verlag 2000

[16] Popper, Karl R., Objektive Erkenntnis ,Hoffmann und Camoe,Hamburg 1993

 

[7] Niklas Luhmann Die Gesellschaft der Gesellschaft

[8] www.home.uni-osnabrueck.de/kgilgen/

[9] Willke, Helmut, Systemtheorie (Soziale Systeme) Bd 1-3, Gustav-Fischer-Verlag 1993/94/95

[10] Helga Weisz, Gesellschaft-Natur Koevolution:

Bedingungen der Möglichkeit

nachhaltiger Entwicklung

Dissertation 2002

[11] Kurzweil, Ray, Homo Sapiens, Leben im 21.Jahrhundert, Kiepenheuer und Witsch 1999

 

[12] Haring, Bas: Sind wir so schlau, wie wir denken?, List-Verlag 2005

[13] Moravec, Hans, Computer übernehmen die Macht, Hoffmann und Campe, 1999

[14] Smolin, Lee: Warum gibt es die Welt?, Verlag C.H.Beck München 1999