Evolution der Vielzeller

1. Die Entstehung und Funktion der Vielzeller beruht darauf, daß in jeder Zelle der im Prinzip gleiche Vorrat an genetischen Programminformationen vorhanden ist, der durch die unterschiedlichen chemischen Bedingungen, die unterschiedlichen Konzentrationen der Nahrungs- und Stoffwechselprodukte in unterschiedlicher Weise aktiviert wird. Dadurch bilden sich ursprünglich durch das Nebeneinander mehrerer Zellen entstehende Konzentrationsunterschiede chemischer Substanzen bei Überschreitung bestimmter Grenzwerte in einer Änderung des Funktionsprogrammes bestimmter Zellen an den Bifurkationsflächen ab, was im Endeffekt zur Entstehung differenzierter Organe führt. Dieser Funktionsmechanismus erklärt die verblüffende morphologische Ähnlichkeit ganz unterschiedlicher Lebewesen, die in unterschiedlichen Umweltverhältnissen leben. Während ursprünglich zunächst nur Nahrungs- und Stoffwechselsubstanzen die Funktionssteuerung bewirkten, bildeten sich im weiteren Verlauf der Evolution Signalsubstanzen, die die notwendigen Steuerinformationen in symbolischer Form im Körper der Vielzeller verteilten (Hormone).

2. Mit dem Größenwachstum der Vielzeller entstanden die Nervenzellen, die die Übermittlung der chemischen Reize von den Rezeptoren zu den Effektoren übernahmen und sich auf diese Aufgabe spezialisierten, indem sie diese Informationen nur noch in symbolischer Form übermitteln.

3. Die Übermittlung komplexer Reize und die Steuerung komplexer Reaktionen übernehmen parallel und hintereinander geschaltete Neuronen, die sich im Gehirn entsprechend den von ihnen abverlangten Leistungen organisieren, so daß im Endeffekt im Gehirn eingegebene Reizsignale nach vorgegebenen Programmen verrechnet werden.

4. Mehrfach sich wiederholende Erregungsmuster fixieren sich in der Morphologie der Neuronennetze. Diese Flexibilität der Nervenzellen ermöglicht das individuelle Lernen und damit die Speicherung und Übertragung von Information unabhängig von der Erbinformation der Gene. Durch eine Ritualisation auf höherer Ebene können später nur virtuell vorhandene Reize symbolisch zu entsprechenden Effekten verrechnet werden und damit virtuelle Handlungen vollzogen werden, deren Folgen im vorhinein beurteilt werden können. Die Verflechtung solcher symbolischer Handlungen zu größeren Szenarien ermöglicht im weiteren das bewußte Denken.

5. Auch für diese Entwicklungen gilt das von Wesson erläuterte Argument, daß die Zwischenstufen nicht durch Adaptation an die Umwelt, sondern durch innere Attraktoren bestimmt wurden und die Nützlichkeit für die Entwicklung der Art erst im Endergebnis bewertet wurde.

(siehe hierzu auch Litsche)

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