Neurobiologie des Unbewußten

(nach einem Uraniavortrag von Prof.Dr.Dr.Gerhard Roth am 23.11.00)

  1. Nur die neuronalen Prozesse, die in der Hirnrinde ablaufen, werden uns bewußt. Auch die Hirnrinde ist funktional organisiert, verschiedene Bewußtseinszustande entstehen durch funktional differenzierte Prozeße in örtlich unterschiedlichen Bereichen des Gehirn.
  2. Die Verarbeitung aller Sinnesreizungen, Wahrnehmungen und deren Umsetzung in Körperreaktionen, die eindeutige Zusammenhänge darstellen, gelangen nicht ins Bewußtsein, sondern werden vom unterbewußten limbischen System reguliert. Erst wenn das unterbewußte System nicht in der Lage ist, ein auftretendes Problem zu lösen, schaltet es über das Aufmerksamkeitszentrum die jeweils erforderliche Region der Großhirnrinde ein.
  3. Die Zentren für das Ich-Bewußtsein und für die Bestimmung von Ortsveränderungen sind ständig aktiv, werden aber jeweils kurzzeitig ausgeschaltet, wenn andere Anforderungen anliegen, die eine bewußte Verarbeitung erfordern.
  4. Das Langzeitgedächtnis besteht aus 2 getrennten Bereichen, die nicht miteinander in Verbindung stehen. Im Gedächtnis für Fertigkeiten werden diejenigen Erfahrungen gespeichert, die während der Ausführung von Tätigkeiten erworben werden, die im weiteren unbewußt ausgeführt werden können. Das Wissen über diese Fertigkeiten kann nicht verbal erklärt und vermittelt und nur sehr schwer durch Umlernen verändert werden. Die im deklarativen Gedächtnis gespeicherten Inhalte können dagegen verbal dargestellt und schnell verändert werden.
  5. Durch bewußte Konzentration von Aufmerksamkeit kann Lernen nur schwer beeinflußt werden. Wissen wird nur dann im Langzeitgedächtnis abgelegt, wenn das Unterbewußtsein seine Wichtigkeit für das zukünftige Leben signalisiert. Eine Einflußnahme des Bewußtseins auf das Unterbewußtsein ist nicht unmöglich, aber sehr schwierig.
  6. Die im Unterbewußten abgelegten Gedächnisinhalte bestehen im wesentlichen aus festverschalteten Neuronen, deren Verschaltungsstrukturen in der Kindheit festgelegt werden. In der Großhirnrinde gibt es sehr flexible Neuronenstrukturen, deren Verschaltungszustand durch chemische Substanzen in den Synapsen bestimmt wird, die durch häufige Benutzung verändert werden können.
  7. Affekte und Emotionen bestimmen den Charakter des Menschen, die hierfür zuständigen unbewußten Gehirnregionen werden im frühen Kindesalter strukturiert.
  8. Willenshandlungen werden durch das Unterbewußtsein infolge von Sinnesreizen ausgelöst. Das Bewußtsein kontrolliert lediglich, ob die vorgesehenen Handlungsabläufe in Übereinstimmung sind mit den im deklarativen Gedächtnis gespeicherten Erfahrungen und ob sie positive oder negative Glücksgefühle auslösen. Je nach dem werden die vorgesehenen Handlungsabläufe blockiert oder verstärkt. Diese Sichtweise scheint durch neuere Studien widerlegt. siehe hierzu Bauer.

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