Gedanken zur Entstehung der Arbeitslosigkeit

1.Mehrwert und Ausbeutung - ein Diskussionsangebot

2. Evolutorische Wirtschaftstheorie

3.Globale Wirtschaftsentwicklung nach Roland Richters Reproduktionstheorie

1.Mehrwert und Ausbeutung - ein Diskussionsangebot

1.1.Entscheidend für die Definition der Ausbeutung ist die Beantwortung der Frage, woraus der Mehrwert entsteht. Diese Frage ist in der Arbeit Roland Richters "Der Mechanismus der Ausbeutung" zwar aufgeworfen, aber nicht geklärt worden. Um die Beantwortung dieser Frage zu umgehen, spricht er teilweise von der Aneignung der Produktionsergebnisse, bezieht aber letztlich die Ausbeutung wieder auf die lebendige Arbeit der einfachen Produzenten.

1.2.Die Frage, was Mehrwert ist und wie er entsteht, kann nur im Zusammenhang mit dem Begriff des Wertes geklärt werden.

Wenn nach Marx der Wert einer Ware durch die durchschnittlich zu ihrer Herstellung notwendige Arbeitszeit bestimmt ist, dann wird der Gesamtwert der Warenproduktion nur durch die Anzahl der beteiligten Menschen bestimmt und die Gesamtproduktion kann wertmäßig nur durch die Einbeziehung der Werte aus zeitlich früherer Produktion, die als Abschreibungen übertragen werden, oder durch einen höheren Wert der Arbeitskraft, den sich diese durch frühere Ausbildung erworben hat, größer sein als die zur Herstellung aufgewendete Arbeitszeit. Der Mehrwert wäre damit nicht Bestandteil des Wertes, steht damit in Widerspruch zur Definition des Wertes und kann überhaupt nicht wertmäßig definiert werden, sonder nur in seiner Eigenschaft als Gebrauchswert. - Die Menschen sind in der Lage, mehr Gebrauchswerte herzustellen, als sie zur Reproduktion ihrer Arbeitskraft benötigen. Sie können also die Mittel für die erweiterte Reproduktion erzeugen.

Marx setzt den Wert der hergestellten Waren höher als den Wert der Waren, die zur Reproduktion von Kapital und Arbeitskraft notwendig sind, um den Profit theoretisch zu begründen. Im nächsten Reproduktionszyklus stehen damit mehr Werte zur Verfügung, als für die einfache Reproduktion erforderlich sind. Der Mehrwert ergibt sich also nicht aus der Differenz des Wertes der Arbeitskraft und des Wertes der zu ihrer Reproduktion erforderlichen Waren, sondern er legt diese Differenz erst fest. Es hat also den Anschein, als könne man die Höhe des Mehrwertes willkürlich festlegen.

Was also bestimmt die Größe des Mehrwertes und damit den Wert der Waren? Das kann nur die Arbeitsproduktivität sein. Nur wenn die Arbeitsproduktivität groß genug ist, das heißt wenn der Mensch mehr Gebrauchsgüter herstellen kann, als er zur Reproduktion der Arbeitskraft benötigt, kann er Mehrwert schaffen. Mehr Arbeitsproduktivität wird u.a. durch höhere Qualifikation der Arbeiter gesichert.

1.3.Bei der einfachen, nicht erweiterten Reproduktion besteht der Mehrwert nur aus der Revenue, also dem persönlichen Verbrauch des Kapitalisten. Der Kapitalist muß also alles das verbrauchen oder sich persönlich aneignen, was er dem Arbeiter nicht zur Reproduktion der Arbeitskraft gibt. Die Werte der produzierten Waren verändern sich damit zeitlich nicht. Der Wert ergibt sich damit nur aus dem Vergleich verschiedener Produzenten und kann beliebig normiert werden, d.h. entweder auf die notwendige Arbeitszeit oder auf das eingesetzte Kapital bezogen werden, weil auch zur Herstellung der Produktionsmittel eine feste, zeitlich unabhängige Arbeitszeit notwendig ist. Der Lebensstandard von Arbeiter und Kapitalist wird in der Summe von der Arbeitsproduktivität bestimmt, die von den Vorleistungen des Kapitals und des Arbeiters (Ausbildung) abhängt. Während der Arbeiter noch laufend Arbeitsleistungen erbringen muß, lebt der Kapitalist ausschließlich von den Zinsen früherer Arbeitsergebnisse. Der Wert der verschlissenen Arbeitskraft (einschließlich Aufzucht und Ausbildung des Nachwuchses) muß dem Arbeiter natürlich ersetzt werden. Ist der Gebrauchswert der erzeugten Waren dafür nicht ausreichend, so ist die Produktion unrentabel, es ist kein Mehrwert vorhanden und die Produktion kann nicht weiter fortgesetzt werden. Wem gehört aber der darüber hinausgehende Mehrwert? Wie ist vergangene Arbeit im Verhältnis zu aktueller lebendiger Arbeit zu bewerten? Eine Unterbewertung der vergangenen Arbeit muß zwangsläufig zur Stagnation führen, da damit die Anreize für zukunftsträchtige Verhaltensweisen abgewertet werden. Wenn der Mehrwert nur dem Arbeiter gehört und ihm auch gegeben wird, besteht keinerlei Anlaß, aber auch keinerlei Möglichkeit zur Erweiterung der Produktion. Evolutionsfähigkeit verlangt angemessene Bewertung der vergangenen Arbeit!

1.4. Nur wenig komplizierter werden die Verhältnisse bei der erweiterten Reproduktion. Bei extensiver Erweiterung werden einfach Anteile des Mehrwertes für die Ausdehnung der Produktion eingesetzt, wobei immer mehr Kapital und immer mehr Arbeiter einbezogen werden, qualitativ aber keine Veränderungen erfolgen, insbesondere aber sich die Arbeitsproduktivität nicht verändert. Wertmäßig dehnt sich natürlich die Produktion in dem Maße aus, wie zusätzliche Arbeitskräfte einbezogen werden. Der Prozeß kann nur vor sich gehen, wenn der Kapitalbesitzer seine vergangene Arbeit bewertet bekommt, d.h. nur dann wird der Mehrwert in die Erweiterung der Produktion investiert. Extensiv erweiterte Reproduktion bedeutet gleichzeitig erweiterten Absatz, aber keine Verbesserung der Lebensverhältnisse der einmal einbezogenen Arbeiter.Die Produktion ist nur absetzbar, wenn ihre materielle Struktur genau dem Bedarf entspricht, hat sich die materielle Struktur aber erst einmal eingestellt, besteht keine Notwendigkeit zu ihrer Veränderung. Das Wachstumstempo hängt ab von der Arbeitsproduktivität und vom Verhältnis des Mehrwertes zum eingesetzten Kapital, d.h. also von der Profitrate. Je größer der Anteil des Profits ist, der für die Akkumulation eingesetzt wird, desto größer ist das Wachstumstempo. Extensive Erweiterung ist aber heutzutage nicht mehr die typische Form der Reproduktion.

1.5. Die heute typische Form ist die intensiv erweiterte Reproduktion. Sie ist durch ein ständiges Ansteigen der Arbeitsproduktivität, technischen Fortschritt und laufende Veränderung des Produktionsprofiles bestimmt.

Wenn die materielle Struktur der Produktion nicht der Bedarfsstruktur entspricht, kann sie nicht abgesetzt werden. Der Profit sinkt (SPF<0) und damit sinkt die mögliche Wachstumsrate bis ins negative. Kann der Bedarf einzelner Zweige nicht gedeckt werden, wird SPF>0 realisiert und die maximal mögliche Wachstumsrate entsprechender Zweige steigt.

Im Mittel kann der Bedarf wertmäßig immer gedeckt werden. Das Problem besteht darin, das die materielle Struktur des Bedarfs mit der der Produktion in Übereinstimmung gebracht werden muß. Dann entspricht der Wert genau dem Gebrauchswert. Bei nicht bedarfsgerechter Produktion (Überproduktion) muß abgewertet werden, der Wert entspricht dann nicht dem Gebrauchswert der Waren.

Ohne technischen Fortschritt ist eine echte wertmäßige Steigerung der Produktion im Mittel nicht möglich. Entspricht die Produktion in einem Moment genau der Struktur des Bedarfs, so ist eine proportionale Steigerung der Produktion nur möglich, wenn gleichzeitig die Bevölkerung im gleichen Maße wächst. Andernfalls muß die Produktionsmittelindustrie wertmäßig schneller wachsen als die Konsumgüterindustrie und/oder die Gehälter müssen steigen. Wenn nicht gleichzeitig die Produktionstechnologie verbessert wird und neue und bessere Waren hergestellt werden, steigt in diesem Fall die Produktion nur wertmäßig, aber nicht der tatsächliche Gebrauchswert. Das bedeudet aber Inflation. Also: Ohne technischen Fortschritt ist tatsächliches wertmäßiges Wachstum nicht möglich. Der technische Fortschritt bestimmt die Wachstumsrate der Produktion. Im mittleren Betrieb stellt sich die Wachstumsrate ohne technischen Fortschritt auf Null bezw. auf die Inflationsrate und die Rate des Bevölkerungswachstums ein oder bestimmt die Inflationsrate. Je größer die Wachstumsrate, desto schneller muß das Produktionsprofil umgestellt werden. Die Reaktionszeiten für die Produktionsumstellung bestimmen die real möglichen Wachstumsraten.

Wie ist unter diesen Bedingungen der Wert der Produktion zu bestimmen und woraus entsteht der Mehrwert? Bei steigender Arbeitsproduktivität sinkt nach Marx der Wert der einzelnen Waren, weil immer weniger Arbeitszeit zu ihrer Herstellung notwendig ist. Die Arbeitsproduktivität steigt aber nur, wenn durch Forschung und Entwicklung eine laufende Erneuerung der Technologie erfolgt oder neue und bessere Waren hergestellt werden, was im allgemeinen mit der Erhöhung des constanten Kapitals und damit des Anteils vergangener Arbeit einhergeht. Die wertmäßige Steigerung der Produktion erfolgt also ausschließlich auf der Basis einer Erhöhung des Anteils vergangener Arbeit und einer Erhöhung des Profites, wobei der materielle Umfang und die Menge der Gebrauchswerte bedeutend schneller steigen können. Dabei kommt es zum Überangebot von Gebrauchswerten, so daß der kalkulierte Wert der Produktion im Absatz nicht realisiert werden kann. Infolgedessen wird die Produktion eingeschränkt, indem Arbeitskräfte entlassen werden. Diese Arbeitskräfte können nur dann wieder in den Produktionprozess einbezogen werden, wenn die Löhne erhöht und damit der Absatz gesteigert oder wenn die materielle Struktur der Produktion durch Forschung und Entwicklung schneller verändert wird und eine immer schnellere Neuausrüstung der Industrie mit neuen Technologien erfolgt, wobei aber das Entwicklungstempo weiter ansteigt und einerseits ökologische Schranken , andererseits aber auch Grenzen möglicher Umstellungsraten für Produktionen überschritten werden. Infolgedessen wird der Profit nicht mehr in der Produktion angelegt, sondern für Finanzspekulationen verwendet. Solange der Profit hauptsächlich für materielle Produktionen eingesetzt wurde, bestand ein Zwang dahingehend, daß materielle Werte zur Verfügung stehen mußten, damit der Profit nutzbringend einsetzbar war. Er konnte also nicht willkürlich über das Ausmaß der produzierten und abgesetzten Gebrauchswerte hinaus gesteigert werden. Heute könnte der Profit weitgehend beliebig erhöht werden, solange er lediglich für Finanzspekulationen als vagabundierendes Kapital zum Einsatz kommt. Es muß lediglich gewährleistet werden, daß die in die Staatsverschuldung fließenden Kredite materiell abgedeckt sind, deshalb möchte man die Staatsverschuldung nicht weiter anwachsen lassen.

1.6. Während früher Mehrwert durch Produktion von mehr Gebrauchsgütern entstand, kann heute Mehrwert nicht mehr entstehen, weil mehr Gebrauchsgüter nicht gebraucht werden und nur durch Lohnerhöhung absetzbar werden. Daher ist der Wert der Arbeitskraft auch nicht mehr höher als der Wert der zu ihrer Reproduktion erforderlichen Waren und Arbeiter werden in der Produktion nicht mehr gebraucht.

Ergo ist die Reproduktionstheorie von Marx auf diese Gesellschaft nicht mehr anwendbar.Die letztgenannten Schlußfolgerungen gelten nur für hochentwickelte Industriegesellschaften ohne Berücksichtigung der noch nicht abgeschlossenen Globalisierung der Wirtschaft. Im Weltmaßstab dürfte zur Zeit noch genügend Bedarf an Gebrauchsgütern vorhanden sein und die Grundlage der Finanzspekulationen dürfte der Finanzbedarf der Entwicklungsländer sein. Der bei Finanztransaktionen erzielbare Profit muß demzufolge mit dem in Entwicklungsländern erzielbaren Profit korreliert sein.

Eine zweite Grundlage der Finanzspekulation dürfte der Wertzuwachs von Antiquitäten sein. Damit wird ein künstlicher Zuwachs an Gebrauchswerten und Werten erzeugt, die nicht produziert werden müssen.

2. Evolutorische Wirtschaftstheorie

2.1. Nach der evolutorischen Wirtschaftstheorie von Arndt gibt es echten und unechten Mehrwert. Unechter Mehrwert entsteht durch Ausbeutung, wobei Mittel von der Konsumtion abgezweigt und in einem Umfang akkumuliert werden, für den kein Bedarf vorhanden ist. Eine solche Wirtschaftsweise funktioniert nur bei extensiver Erweiterung der Produktion, indem ständig neue Bedarfsträger aufgebaut und einbezogen werden, ansonsten entsteht Arbeitslosigkeit. Die Kunst der optimalen Wirtschaftsentwicklung besteht darin, entsprechend der vorhandenen Arbeitsproduktivität das produzierte echte Mehrprodukt so auf Konsumtion (d.h. Lohnerhöhung), Rationalisierungsinvestition und Novitätsinvestition zu verteilen, daß Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht bleiben und sich proportional entwickeln können. Dementsprechend müssen neue Konsumgüter und neue Rationalisierungsgüter in derart abgestimmtem Verhältnis produziert werden, daß die Rationalisierung nicht schneller wächst als der Lohn und der Bedarf an neuen Konsumgütern, wenn nicht Dauerarbeitslosigkeit entstehen soll.

2.2. Das Problem der Globalisierung der Wirtschaft besteht darin, daß ohne Verflechtung des Weltmarktes in einer hochentwickelten Wirtschaft mehr Mehrwert entsteht als in einer unterentwickelten Wirtschaft wegen der Differenz in der Arbeitsproduktivität. Das Entwicklungstempo der hochentwickelten Wirtschaften würde somit immer höher sein und auch bleiben , ein Fakt, der heute immer wieder konstatiert wird. Der freie Warenaustausch auf dem Weltmarkt gestattet es nun aber, daß sich eine hochentwickelte Wirtschaft extensiv statt intensiv erweitert, indem der in den hochentwickelten Ländern vorhandene Stand der Technik exportiert wird. Das hat zur Folge, daß Rationalisierungsinvestitionen anstelle von Novitätsinvestitionen vorgenommen werden. Durch Wegfall des mit Novitätsinvestitionen verbundenen Risikos erhöht sich die Profitrate der Unternehmen, was eine weitere Steigerung des extensiven Expansionstempos ermöglicht, im Inland aber Arbeitslosigkeit hervorruft, wenn es nicht gelingt, den Export in dem erforderlichen Ausmaß zu erhöhen. Hinzu kommt der Umstand, daß in den unterentwickelten Ländern infolge fehlendem Kündigungsschutz und niedrigem Organisationsgrad der Gewerkschaften zu niedrige Löhne gezahlt werden und damit durch Ausbeutung unechter Mehrwert produziert wird, der ebenfalls zu Arbeitslosigkeit führt. Mit der Globalisierung verbunden ist ein Kapitalexport in die unterentwickelten Länder und ein Ansteigen ihrer Verschuldung. Da das exportierte Kapital in den Entwicklungsländern infolge der Ausbeutung eine höhere Profitrate erzielt, wandert es aus den hochentwickelten Ländern in diese ab, wodurch sich das Entwicklungstempo der hochentwickelten Länder reduziert. Im Endeffekt führt die Globalisierung also zu einer Erhöhung des Entwicklungstempos der unterentwickelten Länder und zur Bremsung der Entwicklung in den Industrieländern. Das Kapital ist an einer solchen Entwicklung durchaus interessiert, weil sie in einem langen Übergangszeitraum zu einer Erhöhung der Profitrate führt und es sich leichter einer staatlichen Regulierung entziehen kann.

Eine Besteuerung des Kapitalexportes würde somit einerseits die Kapitalflucht und damit die Globalisierung der Wirtschaft behindern, andererseits aber die Entwicklungsunterschiede zwischen Industrieländern und Entwicklungsländern aufrechterhalten, solange nicht das Entwicklungstempo der Wirtschaft durch das Tempo des technischen Fortschritts begrenzt wird. Sobald letzteres aber der Fall ist, kann auch eine Besteuerung des Kapitalexportes diesen nicht wesentlich behindern.

2.3. Wenn eine hohe Arbeitsproduktivität das Entwicklungstempo der Wirtschaft erhöht, so muß eine Relation bestehen zwischen der optimalen Verteilung des Mehrwertes auf Lohnerhöhungen, Rationalisierungsinvestitionen und Novitätsinvestitionenen einerseits und der Höhe des Mehrwert und der davon abhängigen Entwicklungsgeschwindigkeit. Eine solche Relation müßte die Form einer Differentialgleichung haben oder einer Integralgleichung mit Verzögerungsglied. Eine derartige Mathematik hat offenbar die heute übliche Ökonomie überfordert. Neue Ansätze bietet aber die Reproduktionstheorie von Roland Richter.

3.Globale Wirtschaftsentwicklung nach Roland Richters Reproduktionstheorie (unveröffentlicht).

3.1. Wie auch in den Betrachtungen zur Tabelle 2 in o.a. Theorie wird von lokalen Unterschieden abgesehen und die globale Wirtschaft als einheitliches Ganzes wie folgt betrachtet:

Prof = p(a) * a * z - a * z + n * z = R + Akk + B =(r+b)*z + Akk

Prof =Profit

z = Anzahl der Arbeitsplätze

a = Produktionsverbrauch pro z, Lohn, Rohstoffe, Abschreibungen

n = unentgeltliche Naturnutzung

R = Revenue, unproduktiver, parasitärer Verbrauch

B = Finanzakkumulation, wird in Bankkapital überführt

Akk = Akkumulation, für produktive Zwecke verwendeter Profit

p(a) = Produktivität

Die Produktivität ist eine monoton wachsende Funktion des Produktionsverbrauches. Ohne Erhöhung von Qualifikation (Lohn), hochwertigere Rohstoffe und bessere Maschinen (höhere Abschreibungen) kann die Produktivität nicht steigen. Die Höhe des Profites wird durch die Produktivität bestimmt. Die Produktivität ist ein Wertsteigerungsfaktor, der zugrundeliegende Wert resultiert aus dem Gebrauchswert der produzierten Waren, bezogen auf den zu ihrer Herstellung erforderlichen Produktionsverbrauch.

3.2. Die Marktwirtsachaft orientiert auf die Maximierung des Profits unter Einhaltung bestimmter Nebenbedingungen. Hierbei kann man den Profit als Funktion der Variablen z und a auffassen, die unter Einhaltung von Nebenbedingungen unabhängig voneinander variert werden können.

Es ergeben sich die partiellen Ableitungen

(dProf/dz) = p(a) * a - a + n

und

(dProf/da) = (p(a) + (dp/da)*a - 1) * z

wenn die unentgeltliche Naturnutzung n als konstant betrachtet wird. Solange die Natur noch nicht erschöpft ist, ist wahrscheinlich ein Ansatz

n = no * a

besser.Dann lauten die partiellen Ableitungen

(dProf/dz) = (p(a) - 1 + no) * a

und

(dProf/da) = (p(a) + (dp/da)*a - 1 + no) * z

Geht man von einem gegebenen Profit Prof(a,z) aus, so kann die Produktion und damit auch der Profit durch Erhöhung der Zahl der Arbeitsplätze um dz oder durch Erhöhung des Ausstattungsgrades und damit des Produktionsverbrauches pro Arbeitsplatz um da erhöht werden. Extensive Erweiterung der Produktion bedeutet Schaffung von dz neuen Arbeitsplätzen und damit einen Aufwand a*dz, intensive Erweiterung bedeutet Erhöhung des Ausstattungsgrades von z Arbeitsplätzen und damit einen Aufwand z*da. Untersucht man nun die Veränderung des Profites in den beiden Varianten bei gleichem Aufwand, d.h. für a*dz = z*da, so steigt der Profit bei intensiver Reproduktion schneller als bei extensiver, wenn

(dp/da)*a > n/a

bezw.

(dp/da)*a > 0

Der unentgeltliche Naturverbrauch geht also nur dann verschärfend in die Bedingung ein, wenn er nicht proportional zum Produktionsverbrauch anwächst und einen beträchtlichen Anteil am Produktionsverbrauch ausmacht, muß kann also heute wahrscheinlich vernachlässigt werden.

Bei genügend steilem Anstieg dp/da der Produktivität p(a) ist intensive Reproduktion immer rentabler.

Dabei ist zu beachten, daß bei Freisetzung von Arbeitskräften aus der Revenue Arbeitslosengeld zu zahlen ist, das man natürlich auch dem Lohn zuordnen könnte. Reduziert man die Differenz des Profites um den Aufwand zur Zahlung des Arbeitslosengeldes bei dz < 0,

Prof --> Prof + f*v*dz

so verschärft sich die Bedingung für die Rentabilität der intensiven Erweiterung zu

(dp/da) > (n + f*v)/a^2

Der Hauptgrund für die Entstehung der Arbeitslosigkeit ist der zu steile Anstieg der Produktivität.Der Faktor f berücksichtigt die Absenkung des Arbeitslosengeldes gegenüber dem Lohn v.

Die Arbeitslosigkeit kann nur wirksam bekämpft werden, wenn die Löhne v und die Arbeitslosenunterstützung f (oder auch sonstige Staatsausgaben) so erhöht werden, daß gilt

f*v >= (dp/da) * a^2 - n

Das sieht auf den ersten Blick paradox aus, aber es hat eben keinen Sinn, die Produktivität schneller zu steigern als den individuellen und gesellschaftlichen Bedarf, will heißen als die zahlungskräftige Nachfrage.

3.3. Der Profit kann unter Beachtung o.a. Untersuchungen nunmehr statt als Funktion von a und z auch als Funktion des Umfanges der Produktion (a*z) und der Anzahl der Arbeitsplätze z angesehen werden. Der Umfang der Produktion kann dann unabhängig von z variiert werden und da ergibt sich aus U = a*z zu

da = (dU - a*dz)/z

Dann gilt

Prof = Prof0 + dz * (dProf/dz) + dU * (dProf/dU)

Prof0 = {(p(a0) -1) * a0 + n} * z0

[dProf/dU]z = (p(a) + (dp/da)*a - 1)

[dProf/dz]u = n - a^2 * dp/da + f*v

Für

(dp/da) > (n + f*v)/a^2

wächst der Profit mit der Reduzierung der Anzahl der Arbeitsplätze, da der Unterhalt der Arbeitslosen weniger kostet als die Ausstattung eines Arbeitsplatzes. Mit

(dp/da) = (n + f*v)/a^2

wird eine Grenzkurve pg(a)definiert, oberhalb der nur intensiv erweiterte Reproduktion rentabel ist und Arbeitskräfte freigesetzt werden, während unterhalb dieser extensive Erweitung im Rahmen der zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte bevorzugt wird.

Bei konstantgehaltener Anzahl von Arbeitsplätzen ergibt sich folgende Abhängigkeit des Profits von a:

PROF = PROF0 + { p(a)-1 + (dp/da) * a } * z0 * da

Es ist zusehen, daß bei fester Anzahl der Arbeitsplätze der Profit pro Arbeitsplatz mit wachsendem a und p natürlich immer ansteigt, der Unternehmer also an der Steigerung der Produktivität interessiert ist.

Der Profit steigt um so steiler, je größer (dp/da) ist.

Die Akkumulation (pro Reproduktionszyklus)

Akk = d(a*z)

führt unmittelbar zur Erweiterung der Produktion und zum Anstieg des Profits, und zwar je nach den Bedingungen zur extensiven Erweiterung a*dz oder zur intensiven Erweiterung z*da.

Die Ausgaben zur Unterhaltung der nichtarbeitenden Bevölkerung (Arbeitslose) f*v sind bei globaler Betrachtung Bestandteil der Revenue. Damit wird wieder die Frage aufgeworfen: was wird mit der Revenue gemacht?

Die Zielgröße der ökonomischen Optimierung war also nicht die Revenue R, sondern eine andere Größe, die nun als Nettoprofit NPR bezeichnet werden soll und die die direkte Akkumulation ebenfalls nicht enthält, dafür aber die Abführungen in das Finanzkapital B:

NPR = R + B - f * v * ALR * z

Da der Profit durch

PROF = {(p(a) - 1) * a + n } * z

vorgegeben ist, wird der Nettoprofit durch die Akkumulation reduziert.

3.4. Wirtschaftswachstum wird durch das Bruttosozialprodukt charakterisiert:

BSP = (p(a) * a + n ) * z = PROF + a*z

(dBSP/dt) = (dz/dt)*(p(a)*a+n) + (da/dt)*z*{(dp/da)*a+p(a)}

Das BSP kann wachsen entweder

- durch Einbeziehung neuer Arbeitskräfte --> extensiv --> dz/dt >0

- oder durch Steigerung der Produktivität --->intensiv--> da/dt >0

da/dt > 0 hat dp/da > 0 als Voraussetzung. dz/dt > 0 und da/dt > 0 erfordern entsprechende Akkumulation:

Akk/dt = a*(dz/dt) + z*(da/dt)

dp/da setzt vorlaufende technologische Forschung und Entwicklung voraus, die bei Einsatz von FE-Mitteln und einer dem Stand von Wissenschaft und Technik entsprecheden Effektivität eff ein

dp/da = F(a,FE,eff) > 0

garantieren.

F ist sicher eine komplizierte Funktion, die von weiteren Parametern abhängt. So ist die Effektivität eff zeitabhängig und hängt vom Zeitablauf der Bereitstellung der FE-Mittel ab. Die FE-Mittel werden zeitabhängig zugeführt, wobei die zum jeweiligen Zeitpunkt bereitstehenden Mittel aus den vor diesem Zeitpunkt getätigten Finanzkapitalzuführungen B zu bilden sind. Ein einfaches Modell wäre z.B.

eff(n) = eo + e1 * FE(n)

FE(n) =Summe Bm für m = 0 bis n

dp/da = p(a) * Summe (eff(m)*Bm ) für m = 0 bis n

wenn zum Zeitpunkt (Zyklus) n die Überführung in die Produktion erfolgen soll.

3.5. Optimal für die globale Evolution ist ein dp/da, das die Vollbeschäftigung sichert, das also die Grenzkurve zwischen extensiver und intensiver Reproduktion bestimmt.Die optimale extensive Akkumulation wird dann durch das Bevölkerungswachstum bezw. durch das Wachstum des gesellschaftlichen Arbeitsvermögens bestimmt, in das das Verhältnis zwischen Lebensdauer und Aufzuchtdauer eingeht. Der Rest des produzierten Mehrwertes = Profites muß zur Erhöhung von a und p(a) eingesetzt werden.

Längs der Grenzkurve sei zunächst dz/dt als vorgegeben angesehen. Das optimale Wirtschaftswachstum wird dann nur durch da/dt bestimmt. Die Investitionen müssen dann so verteilt werden, daß die Bedingung

dp/da = (n + f*v)/a^2

ständig eingehalten wird. Ist dp/da kleiner als der optimale Wert, so führt eine bestimmte Akkumulationsrate da/dt zu einer niedrigeren Wachstumsrate des BSP und damit auch des Profits und des Nettoprofites. Die potentiellen Möglichkeiten des Wirtschaftssystems werden damit also nicht ausgenutzt. Ist dp/da größer als der optimale Wert, so steigt der Nettoprofit mit sinkender Arbeitskräftezahl. Der zweite Term des BSP steigt zwar weiter, aber infolge der Abnahme von z vermindert sich der erste Term.Der Gesamteffekt zunehmender Arbeitslosigkeit auf das Wachstum des BSP ist wegen der Beziehung

BSP = PROF + U

(bei gleichbleibendem Produktionsumfang) durch den gleichen Ausdruck wie beim Profit gegeben:

[dBSP/dt]U = (n - a^2 * dp/da + f*v ) * (dz/dt)

Das Bruttosozialprodukt steigt also bei genügend großen dp/da mit zunehmender Arbeitslosigkeit. In diesem Sinne kann Arbeitslosigkeit und ABM auch als künstliche Reduzierung einer zu großen Arbeitsproduktivität aufgefaßt werden, die aber bezüglich der Entwicklung des Lebensstandards nicht optimal ist, weil das steigende Bruttosozialprodukt nicht in die Erhöhung von v umgesetztn wird.

3.6. Unter der Voraussetzung konstantbleibenden Arbeitsvermögens dz/dt = 0 ergibt sich eine optimale Wachstumsrate des BSP zu

(1/BSP)*(dBSP/dt) = da/dt * {p + (n+f*v)/a}/(p(a)*a + n)

wenn die Akkumulationsrate da/dt durch

da/dt = (p(a)-1)*a +n - (r+b)

gegeben ist

Mit den Zahlenwerten aus Tabelle 2 ergibt sich eine Wachstumsrate des globalen BSP für das Jahr 2005 von etwa

WR = p(a)-1 -r/a = 0.04

ein durchaus glaubhafter Wert. Ein Bevölkerungswachstum würde zu einer proportionalen Erhöhung der Wachstumsrate des BSP führen. Wird durch schneller steigende Produktivität eine höhere Wachstumsrate erzwungen, ist steigende Arbeitslosigkeit die unausweichliche Folge.

Dabei ist man als Azubi vergleichsweise gut gegen Arbeitslosigkeit geschützt. Die Entwicklung zu mehr Arbeitslosigkeit ist vorhersehbar und es kann sich nur jeder Einzelne selbst darauf vorbereiten. Die Wirtschaftstreibenden beschäftigen gerne gut ausgebildete Facharbeiter oder Fachangestellte. Eine fundierte Ausbildung ist die Grundlage für den Erfolg im Berufsleben. Bei einem bleibenden Anstieg der Arbeitslosigkeit verringert sie die Gefahr, arbeitslos zu werden.

10.9.97